Rolf Thomas Lorenz

Sonatine

für Horn in F und Klavier, Partitur und Stimmen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Hofmeister
erschienen in: das Orchester 01/2021 , Seite 68

Der Hor­nist blät­tert durch diese Aus­gabe, lächelt ver­schmitzt und sagt: „Darf ich die gle­ich mit­nehmen?“ Klar, denn dieses Werk gehört auf die Pulte und die Büh­nen. Kom­pon­ist Ralf Thomas Lorenz hat mit dieser Sonatine für Horn in F und Klavier erstk­las­sige Spiel­musik für fort­geschrit­tene Schüler, Stu­den­ten und Profis vorgelegt. Die Musik bietet sowohl akustis­che Ori­en­tierungspunk­te als auch kleine Über­raschun­gen und wird somit zu ein­er das Konz­ert bere­ich­ern­den Num­mer oder zum inter­es­san­ten Wet­tbe­werb­sstück für jün­gere, sehr engagierte Bläs­er, die fleißig üben.
Lorenz schreibt im Vor­wort der vor­liegen­den Aus­gabe, diese Sonatine sollte sowohl „rhyth­misch-tech­nisch anspruchsvoll“ wer­den als auch die „Freude am Musizieren“ weck­en. 2019 wurde sie im Rah­men des Wet­tbe­werbs „Jugend musiziert“ uraufge­führt, und seit­dem bekomme sie sowohl von „Inter­pre­ten als auch von Juroren und Fach­lehrern uneingeschränk­tes Lob“, so Lorenz.
Vier Tak­te legt das Klavier im ersten Satz (Alle­gro) vor: flott, bewegt, das kleine ein­tak­tige Motiv har­monisch und rhyth­misch leicht vari­ierend. Dann kommt das Horn dazu, folk­loris­tisch, synkopisiert und mit Tak­twech­seln gewürzt. Es fließt und tanzt sofort, spiel­freudig und unter­halt­sam. Die bei­den tän­deln fröh­lich weit­er, kleine Kan­tile­nen und das Spiel mit der Dynamik (zwis­chen Mez­zo­forte und Pianis­si­mo) im Horn strahlen, frisch und fröh­lich im gemäßigt mod­er­nen Gewand. Wed­er Horn noch Klavier sind hier tech­nisch allzu stark gefordert, dafür ste­ht der lebendi­ge, wohlk­lin­gende Spielspaß im Vorder­grund. Das Anfangs­the­ma des Horns been­det, leicht vari­iert, den Satz.
Der zweite Satz (Lento) eröffnet mit eini­gen lan­gen, unbe­gleit­eten Tönen im Horn. Zeit, um Klangschön­heit, Dynamik und saubere, kiek­ser­freie Ansprache entspan­nt zu präsen­tieren. Das Klavier kommt später in der recht­en Hand mit ein­er sich stetig wieder­holen­den Sechzehn­tel­tri­ole in der eingestrich­enen Oktave, gefol­gt von einem Vier­tel c””, und einem tiefen Basston in der linken Hand dazu und sorgt dadurch für drama­tisch-humoris­tis­che Begleitung der lan­gen Horn­töne.
Das Horn gön­nt sich nun eine kleine Pause, das Klavier mod­uliert in Achtel­tri­olen weit­er. Bald darf auch das Horn ein paar tänz­erische Achtel­tri­olen, ent­fer­nt an eine Sara­bande erin­nernd, spie­len. Das Klavier übern­immt wieder, das gedämpfte Horn beg­nügt sich mit aus­drucksvollen Vierteln. Mit ungedämpften lan­gen Tönen im Horn und den schon am Anfang des Satzes auftre­tenden Sechzehn­tel­tri­olen im Klavier verklingt der Satz, an den Anfang erin­nernd.
Ein quick­lebendi­ger drit­ter Satz (Vivace) mit Kadenz been­det die Sonatine. Kan­tile­nen und flotte Achtel wech­seln einan­der ab, eben­so die Tak­tarten, doch fließt die Musik ohne Stolpern organ­isch weit­er. Horn und Klavier kön­nen freudig miteinan­der inter­agieren, mal augen­zwinkernd wie ein junger Hin­demith, mal ver­hal­ten wie ein reifer Schu­mann. Auch ein paar laute Töne und Crescen­di sind dem Horn nun ges­tat­tet. Der Hor­nist steckt die Noten zufrieden in die Tasche und plant ein Tre­f­fen mit einem Pianis­ten in den näch­sten Tagen.
Heike Eick­hoff