Camillo Schumann

Sonate Nr. 1/Nr. 2 für Horn und Klavier F-Dur/D-Dur; Sonate Nr. 1/Nr. 2 für Klarinette und Klavier B-Dur

Es-Dur jeweils Partitur und Stimme

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 2017
erschienen in: das Orchester 09/2018 , Seite 72

Für die meis­ten dürfte das „C.“ in Verbindung mit „Schu­mann“ für Clara ste­hen. Gle­ich­wohl ste­ht es für Camil­lo, einen Tonkün­stler, der am 10. März 1872 im säch­sis­chen König­stein als Sohn des Stadt­musikdi­rek­tors Clemens Schu­mann geboren wurde. Trotz seines großen Œuvres von über 300 Kom­po­si­tio­nen – mehrheitlich Kam­mer­musik – ist er weit­ge­hend unbekan­nt. Schu­mann schien eine Vor­liebe für Bläs­er zu haben, was mit sein­er Tätigkeit in sein­er Jugend als Leit­er der Bläser­gruppe für das tra­di­tionelle Turm­blasen in König­stein zusam­men­hän­gen mag. Obwohl er sich zu seinen späteren Lebzeit­en einen Namen gemacht hat als Pianist, Organ­ist und Leit­er der Eise­nach­er Tri­overe­ini­gung sowie als Inter­pret sein­er eige­nen Werke, ist kaum etwas von ihm veröf­fentlicht wor­den. Vielle­icht ein Grund, weshalb die alte Aus­gabe der Musik in Geschichte und Gegen­wart nicht auf ihn aufmerk­sam gewor­den ist.
Die Kom­po­si­tio­nen sind nur als Auto­grafe über­liefert und bieten so die sel­tene Gele­gen­heit, sie als Erstaus­gaben bekan­nt zu machen, obgle­ich die vor­liegen­den Werke bere­its 2015 im Eigen­ver­lag Nick Pfef­fer­ko­rn erschienen sind. Für wen genau sie kom­poniert sind, ist nicht bekan­nt. Jedoch ver­mutet Pfef­fer­ko­rn als Ver­fass­er des zweis­prachi­gen Vor­worts, dass Schu­mann diese „vor­wiegend für eigene Konz­erte mit befre­un­de­ten Musik­ern geschrieben hat“, worauf erstens die auto­grafen Rein­schriften hin­weisen, die „den finalen Noten­text recht zuver­läs­sig über­liefern“, und zweit­ens im Klavier­part sich „immer wieder Ein­tra­gun­gen für den prak­tis­chen Gebrauch“ fän­den. Da von den bei­den Horn­sonat­en keine sep­a­rate Stimme erhal­ten sei, hat der Hor­nist dem Kom­pon­is­ten beim Vor­trag wohl über die Schul­ter geschaut.
Anders bei den Klar­inet­ten­stim­men der Sonat­en B-Dur op. 112 und Es-Dur op. 134, von denen jew­eils eine in ein­er mit Tinte geschriebe­nen Rein­schrift des Kom­pon­is­ten mit „Klar­inette in B“ existiert. Im Fall von op. 112 gibt es eine zusät­zliche C-Stimme, die er als „Vio­lin­stimme“ beze­ich­nete.
Ein weit­er­er Grund für den engen Bekan­ntheits­grad liegt sicher­lich auch in Schu­manns spätro­man­tis­chem, manch­mal überspan­ntem Stil. Die Sonat­en ent­standen in der Zeit zwis­chen 1911 und 1936, in welch­er beispiel­sweise der Impres­sion­is­mus Debussys, die expres­sive Ton­sprache Straw­in­skys oder gar die Zwölfton­musik eines Arnold Schön­berg durch die Musikgeschichte weht­en; vielle­icht fehlte ihm auch ein Bartók’scher folk­loris­tis­ch­er Mut.
Hier liegt Gele­gen­heitsmusik vor mit zum Teil hohen tech­nis­chen Ansprüchen. Extreme Höhen oder klan­gliche Exper­i­mente in den Bläser­stim­men wer­den nie aus­gereizt, der Klavier­part wirkt bei der frühen Klar­inet­ten­sonate über­laden. Es find­en sich darin gute Ideen, jedoch sind melodis­che Ansätze nicht immer organ­isch miteinan­der ver­woben. Die Melodik der Horn­sonat­en wirken recht eigen­willig mit rhyth­mis­chen Topoi.
Wern­er Boden­dorff