Bach, Johann Sebastian

Sonate g‑Moll BWV 1029

für Viola da Gamba und Cembalo, bearb. für Kontrabass und Klavier, hg. von Thomas Jauch und Andreas Riepl, Urtext

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Gilgenreiner, Winterthur 2012
erschienen in: das Orchester 05/2013 , Seite 70

Die dritte, nur dreisätzige g‑Moll-Sonate von Bach hal­ten viele für die schön­ste und musikalisch ergiebig­ste der drei Gam­ben-Sonat­en, die wohl um 1720 herum in Köthen ent­standen sind. Das Orig­i­nal­manuskript ging ver­loren. In der Staats­bib­lio­thek in Berlin befind­et sich jedoch eine Abschrift von Chris­t­ian Friedrich Pen­zel, einem der let­zten Schüler Bachs. Diese Kopie diente als Vor­lage für die neue Veröf­fentlichung der g‑Moll-Sonate in ein­er Bear­beitung für Kon­tra­bass und Klavier. Das im Vor­wort abge­druck­te Geburts­da­tum von Pen­zel, 1713, ist falsch: Alle Hin­weise sprechen dafür, dass er erst 1737 auf die Welt kam. Auch auf der Bassstimme ist diese Jahreszahl dann richtig ver­merkt. Ab 1749 bezog er die Thomass­chule, wurde noch Schüler von Bach (der 1750 starb) und ab 1765 Kan­tor in Merse­burg. Pen­zel wurde zu einem der wichtig­sten Kopis­ten
der Werke Bachs: Er hat vieles für die Nach­welt gerettet. Thomas Jauch und Andreas Riepl, bei­de Kon­tra­bassis­ten im Bay­erischen Staat­sor­ch­ester München, haben die Sonate zum konz­er­tan­ten Gebrauch für den Bass ein­gerichtet. Musikalis­che Genauigkeit bei der Über­nahme des „Urtextes“ addiert sich dabei mit ver­legerisch­er Sorgfalt. Und so ent­standen in der neuen Aus­gabe gle­ich mehrere Fas­sun­gen.
Die Klavier­stimme gibt es in der orig­i­nalen g‑Moll-Tonart, es gibt sie anschließend aber auch in ein­er a‑Moll-Fas­sung, falls der Bassist in der Solostim­mung (einen Ton höher) musizieren möchte. Der Gen­er­al­bass wurde von Tobias Franken­re­it­er aus­ge­set­zt. Und auch die Solostimme gibt es in zwei Fas­sun­gen: ein­mal in ein­er Ein­rich­tung von Andreas Riepl, die Vorschläge macht zur Artiku­la­tion, zur Dynamik und vere­inzelt auch für sin­nvolle Fin­ger­sätze. Die andere Fas­sung beschränkt sich auf die Vor­trags­beze­ich­nun­gen des Orig­i­nals, um dem Aus­führen­den möglichst viel Frei­heit zu lassen.
Was musikalisch bei dieser drit­ten Gam­ben-Sonate auf­fällt, ist die durchge­hende Dreis­tim­migkeit. Im Vor­wort ver­muten die Her­aus­ge­ber, dass diese Sonate aus einem bere­its beste­hen­den Werk Bachs für zwei Melodie­in­stru­mente und Bas­so con­tin­uo her­vorg­ing. In der Motorik des ersten Satzes (Vivace) klingt the­ma­tisch Ähn­lich­es an wie im Anfang des drit­ten Bran­den­bur­gis­chen Konz­erts. Das Ada­gio in B‑Dur in der Mitte ist ein weit ges­pan­ntes Lied mit großer inner­er Kraft: Für die Inter­pre­ten ste­ht hier an, eine beson­dere Klan­grede mit lei­den­schaftlich­er Seele zum Strö­men zu brin­gen. Das groß angelegte Finale (Alle­gro) besitzt eine dichte poly­fone Anlage: Hier gilt es mit munterem Zugriff und frischem Zeit­maß zu operieren. Für das inzwis­chen erfreulich angewach­sene Reper­toire für Kon­tra­bassis­ten ist diese Neuer­schei­n­ung eine wichtige Ergänzung und Erweiterung. Aus der Prax­is für die Prax­is: Das Werk wird seine Spiel­er und seine Hör­er find­en.
Wolf­gang Teubner