Naji Hakim

Sonate

für Harfe

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott
erschienen in: das Orchester 05/2018 , Seite 69

Naji Hakim, 1955 geboren, ist ein inter­na­tion­al anerkan­nter franzö­sis­ch­er Kom­pon­ist und Organ­ist libane­sis­ch­er Herkun­ft. Beson­ders bekan­nt sind seine Orgel­w­erke. Im Vor­wort sein­er hier vor­liegen­den dreisätzi­gen Har­fen­sonate schreibt er: „Sie ist im Geiste des Klas­sizis­mus kom­poniert, sowohl in ihrem har­monis­chen Aus­druck als auch in ihrer Struk­tur.“ Das erk­lärt eine herkömm­liche Spiel- und Aus­druck­sweise, Verzicht auf mod­erne Klang­ef­fek­te sowie den ver­ständlichen musikalis­chen Ablauf in den Sätzen. Auf der Harfe ist die Sonate im Prinzip gut spiel­bar, wür­den sich nicht etliche spez­i­fis­che Män­gel in der Aus­gabe und der damit ver­bun­de­nen musikalis­chen Aus­führung ergeben.
Nehmen wir die har­fen­notwendi­gen Ped­aleinze­ich­nun­gen, die zum Verän­dern der Töne wichtig sind: Gedruckt möcht­en sie doch an richtiger Stelle ste­hen und nicht ständig zu früh, sodass unan­genehmes Durchk­lin­gen der vorherge­hen­den Tone­in­stel­lung zu hören ist. Genaues Ped­al­treten auf der Harfe gehört nun mal eben­so zum qual­i­ta­tiv­en musikalis­chen Ablauf wie das Spie­len der Hände. Weit­er­hin gibt es im 2. Satz Stellen, wo zu viele Ped­ale auf ein­mal getreten wer­den müssen, sodass selb­st bei helfend­er Enhar­mon­isierung Tret­geräusche unver­mei­dlich sind. Im 3. Satz kann ich auf­grund des Alle­gro-Tem­pos an eini­gen Stellen zu schnelles Ped­al­wech­seln auf nur ein­er Fuß­seite nicht akzep­tieren. Für mich stellt sich hier bei all dem die drin­gende Frage nach pro­fes­sioneller Beratung. Das Stück hätte es ver­di­ent.
Nun ver­misse ich Metronom-Angaben, die beson­ders in den Eck­sätzen wichtig gewe­sen wären. Spielt man sie zu langsam, ver­liert der musikalis­che Charak­ter seinen Sinn. Des Weit­eren seien die Noten­vorze­ichen im Druck erwäh­nt. Mal helfend, mal über­flüs­sig, ergeben sie kein erkennbar sin­nvolles Konzept. Auch fehlen musikalisch wichtige Pausen­notierun­gen im 3. Satz. Schade um all diese Unzulänglichkeit­en!
Der Grundtenor der Har­fen­sonate ist fröh­lich und unter­halt­sam, dazu musikalisch sehr ver­ständlich. Einem mit­tleren Schwierigkeits­grad entsprechend, bietet sie auch fort­geschrit­te­nen Laien die Möglichkeit, das Stück zu spie­len.
Der 1. Satz, ein heit­eres Per­petu­um mobile, ver­läuft fast ein­stim­mig in Achtelfig­uren. Inhaltliche Melodieführung ist durch Akzente gekennze­ich­net. Im Charak­ter eines musikalisch gefäl­li­gen langsamen Walz­ers mit expres­siv­er Melodik ver­läuft der 2. Satz. Zum let­zten Satz drän­gen sich mir förm­lich als Empfehlung Angaben über Tem­pofrei­heit­en auf: Acceleran­di – hin zu kaden­zar­ti­gen Abschnit­ten, dann wieder zurück zum rhyth­mis­chen und freudi­gen Anfangs­the­ma. Nun sei noch erwäh­nt, dass der Kom­pon­ist vor die Satzan­fänge jew­eils ein poet­is­ches, lyrisches Frag­ment in franzö­sis­ch­er Sprache von Katia-Sofia Hakim stellt.
Obwohl es weltweit eine enorme Vielzahl von Solostrück­en und Solosonat­en für die Harfe gibt, stimme ich der Veröf­fentlichung dieses kleinen Werks zu. Doch eine rev­i­dierte Fas­sung wäre wün­schenswert.
Mar­i­on Hof­mann