Carl Friedrich Abel

Sonata D-Dur

für Flauto traverso und Basso, hg. von Günter und Leonore von Zadow, 3 Spielpartituren, eine mit Aussetzung

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Edition Güntersberg
erschienen in: das Orchester 03/2020 , Seite 64

His com­po­si­tions were easy and ele­gant­ly sim­ple“, urteilt Char­les Bur­ney im vierten Band sein­er Gen­er­al his­to­ry of music (1789) über die Werke von Carl Friedrich Abel, der 1723 in Köthen geboren wurde und in Leipzig zu den Schülern von Johann Sebas­t­ian Bach zählte. In Lon­don, wo dieser „vol­len­dete Musik­er“ viele Jahre seines Lebens sehr erfol­gre­ich als Instru­men­tal­ist, Diri­gent, Lehrer und Konz­ert­man­ag­er wirk­te und 1787 auch ver­starb, arbeit­ete Abel u. a. mit Johann Chris­t­ian Bach zusam­men.
Bur­ney lobt Abel als Kom­pon­is­ten und als per­fek­ten Gam­bis­ten. Er preist ins­beson­dere sein Tal­ent, ein Ada­gio zu spie­len und zu kom­ponieren; Let­zteres schreibt er vor allem seinem her­vor­ra­gen­den Geschmack und seinem umfassenden Wis­sen über Melodieführung, Har­monie und Mod­u­la­tion zu. Abels atem­ber­aubende Art, ein Ada­gio geschmack­voll, mit Diskre­tion und lei­den­schaftlichem Aus­druck zu spie­len, inspiri­erte Bur­ney zufolge die ganze junge Gen­er­a­tion, ins­beson­dere die Spiel­er von Stre­ichin­stru­menten.
Die vor­liegende dreisätzige Sonate von Carl Friedrich Abel in der Form langsam-schnell-schnell ist, so die Her­aus­ge­ber Gün­ter und Leonore von Zad­ow, höchst­wahrschein­lich ein Werk für Tra­vers­flöte, da das Manuskript Teil ein­er größeren Samm­lung von Flöten­sonat­en ver­schieden­er Kom­pon­is­ten aus der Königlichen Bib­lio­thek in Kopen­hagen ist. Details über die Entste­hungs­geschichte der Sonate sind jedoch (noch) unklar.
Alle Sätze ste­hen in der Tonart D-Dur und lassen sich auf­grund dieser Tonart, des Ton­um­fangs von etwas mehr als zwei Oktaven (d1 bis e3) und der rhyth­misch-melodis­chen Fak­tur auf der Tra­vers­flöte angenehm spie­len. Die Sonate begin­nt mit einem gefüh­lvollen Ada­gio, in dessen Schlusskadenz eine Fer­mate auf eine frei zu erfind­ende Kadenz hin­weist. Es fol­gt ein fröh­lich­es, ener­gisch-beschwingtes „Alle­gro non molto“ und schließlich ein eher ruhiges „Vivace“ auf der Basis eines Menuetts.
Mit sein­er großen Barock­musik-Exper­tise verortet der aus­tralis­che Musik­er, Musik­wis­senschaftler und Musikver­mit­tler Michael O’Loghlin in der Ein­führung zu dieser Erstaus­gabe die Sonate im Kon­text ihrer Entste­hungszeit wie auch des Werks von Abel und gibt auf dem Hin­ter­grund his­torisch informiert­er Auf­führung­sprax­is knappe inter­pre­ta­torische Hin­weise, etwa zur Aus­führung der Vorschlagsnoten.
Dankwart von Zad­ows Gen­er­al­bass-Aus­set­zung und Bez­if­fer­ung ist aus­ge­sprochen prax­is­tauglich: Die Solostimme wird nicht zugedeckt bzw. ver­dop­pelt, die undog­ma­tis­che Stim­men­zahl sug­geriert eine Aus­set­zung „pri­ma vista“. Lediglich an manchen Stellen hätte die Stimm­führung vielle­icht noch etwas ele­gan­ter sein kön­nen.
Faz­it: „Easy and ele­gant­ly sim­ple“ trifft in diesem Fall zu – ein rel­a­tiv leicht spiel­bares, musikalisch reizvolles Flöten­werk von Carl Friedrich Abel in ein­er prax­is­na­hen Erstaus­gabe des kleinen Hei­del­berg­er Ver­lags Edi­tion Gün­ters­berg.
Andrea Welte