Solo de Concours

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Cryston OVCC-0074
erschienen in: das Orchester 03/2011 , Seite 69

Mit dieser CD beg­ibt sich Matthias Höfs in den Bere­ich der mod­er­nen klas­sis­chen Lit­er­atur, wie sie auch immer wieder bei Wet­tbe­wer­ben und Abschlusskonz­erten zu hören ist. So dominiert in dieser Musik nicht die Süße der klas­sis­chen und roman­tis­chen Trompe­ten­lit­er­atur, auch nicht das Majestätis­che des Barock. In dieser im Wesentlichen aus dem 20. Jahrhun­dert stam­menden Lit­er­atur stechen hals­brecherische Winkelzüge eben­so her­vor wie die kraftvolle Demon­stra­tion der diesem Instru­ment innewohnen­den Strahlkraft. Kurzum, eine Auswahl, bei der, salopp gesprochen, für die Masse der Musikkon­sumenten eher die Milch sauer wird.
Es wäre sicher­lich wün­schenswert, bekäme zumin­d­est ein Teil dieser Masse die Gele­gen­heit, diese CD ein­mal zu hören, denn was Matthias Höfs aus diesen Werken macht, ist mehr als bemerkenswert. Seine beson­dere Klasse ist dem fachkundi­gen Hör­er sich­er bekan­nt. Den­noch ist es immer wieder wun­der­bar, wie sehr dieser Trompeter doch Musik­er ist, fähig, jegliche noch so schw­ergängige Ton­folge zu ein­er Melodie zu for­men, die das Herz berührt. Höfs Ton verza­ubert, trägt einen fort und über­windet die vom Hör­er gezo­ge­nen Gren­zen durch die alles über­windende Kraft sein­er Schön­heit.
Der Auf­takt, Arthur Honeg­gers Intra­da, zeigt gle­ich die oben genan­nte Strahlkraft, einem Weck­ruf gle­ich, gefol­gt von Théo Char­liers Solo de Con­cours, der hier wohl noch roman­tis­chsten Kom­po­si­tion. Eugène Boz­zas Ein­gangs­fan­fare sein­er Rus­tiques stand sichtlich Pate für eine der bekan­ntesten Star-Trek-Melo­di­en. Auch Hol­ly­wood bedi­ent sich nur bei den Besten.
Hein­rich Suter­meis­ter nan­nte sein Werk zwar Gavotte de Con­cert, von barock­er Leichtigkeit ist hier allerd­ings wenig zu hören. Dies ist ein­deutig Musik des 20. Jahrhun­derts. Ganz anders bei Jean Françaix: Das Prélude sein­er Sonatine ver­sprüht die pure Leichtigkeit. Man hört die Schu­mann’schen Schmetter­linge ger­adezu flat­tern. Auch die verbleiben­den zwei Sätze, Sara­bande und Gigue, ver­sprühen eine ger­adezu erheit­ernde Leichtigkeit, die so eine stilis­tisch-pro­gram­ma­tis­che Bal­ance zum eher düster wirk­enden Beitrag Suter­meis­ters her­stellen.
Auch eine Erstein­spielung hat diese CD zu bieten: Antony Plogs Three Minia­tures, fast schon min­i­mal­is­tisch anmu­tende Struk­turen, die sich durch viel­seit­i­gen Dämpfer­e­in­satz auch ton­lich abset­zen und dadurch einen klan­glich logis­chen Über­gang zu Paul Hin­demiths Sonate für Trompete in B ermöglichen. An dieser Stelle bietet sich auch die Gele­gen­heit, Höfs kon­ge­nialen Begleit­er Stephan Kiefer zu würdi­gen. Hat­te er bish­er den eher unauf­fäl­li­gen, jedoch stets präsen­ten Zuar­beit­er gegeben, so tritt er nun ver­stärkt in den Vorder­grund. Die Sonate für Trompete ist nicht umson­st unter Pianis­ten gefürchtet. Mit Georges Enes­cus Légende find­et diese CD ihr roman­tis­ches Ende. Die eher san­fte Melodieführung entlässt den Hör­er entspan­nt und zugle­ich verza­ubert.
Zuguter­let­zt sollte die außeror­dentliche Klangqual­ität dieser Ein­spielung nicht ver­schwiegen wer­den. Besitzer eines SACD-fähi­gen CD- oder DVD-Spiel­ers kom­men in den Genuss ein­er hochau­flösenden Auf­nahme. Allerd­ings ist auch schon die „nor­male“ CD-Qual­ität her­vor­ra­gend.
Math­ias Engl