Antonín Dvořák

Slawische Rhapsodie g-Moll

Partitur/Harmoniestimmen/Stimmen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Bärenreiter
erschienen in: das Orchester 11/2018 , Seite 62

Ein inter­es­santes wie bedeu­ten­des Phänomen war in der europäis­chen Musikgeschichte des 19. Jahrhun­derts das Entste­hen von nationalen Schulen. Gemein­sam mit seinem Lands­mann Bedřich Smetana gilt insoweit Antonín Dvořák als Hauptvertreter ein­er tschechisch-nationalen Kun­st­musik. Neben den bekan­nten Slaw­is­chen Tänzen ste­hen auch die Slaw­is­chen Rhap­so­di­en für das folk­loris­tis­che Ele­ment in seinem Schaf­fen ab den späten 1870er Jahren – gerne auch als Dvořáks „slaw­is­che Peri­ode“ beze­ich­net.
Die Slaw­is­chen Rhap­so­di­en fall­en in die ersten Jahre, nach­dem der aus der böh­mis­chen Prov­inz stam­mende Kom­pon­ist den Sprung auf die große Welt­bühne der Musik geschafft hat­te. Von entschei­den­der Bedeu­tung hier­für war die Förderung durch Johannes Brahms, mit dem Dvořák zeitlebens fre­und­schaftlich ver­bun­den blieb. Vom Tal­ent des acht Jahre jün­geren Dvořák überzeugt, gab Brahms nicht nur entschei­dende Impulse für die Gewährung eines staatlichen Stipendi­ums, son­dern ver­mit­telte auch wichtige Kon­tak­te, die dem damals noch unbekan­nten Dvořák den Weg ebnen soll­ten. Hierzu gehörte auch die Empfehlung an den befre­un­de­ten Berlin­er Ver­leger Fritz Sim­rock: „Dvořák hat alles Mögliche geschrieben, Opern (böh­mis­che), Sin­fonien, Quar­tette, Klavier­sachen. Jeden­falls ist er ein sehr tal­entvoller Men­sch. Neben­bei arm! Und bitte ich, das zu bedenken!“, schrieb einst Brahms an Sim­rock.
Bei Sim­rock erschienen 1879 auch die drei Slaw­is­chen Rhap­so­di­en op. 45. Es han­delt sich hier­bei um drei eigen­ständi­ge Werke, die unter ein­er gemein­samen Opuszahl zusam­menge­fasst wur­den. Beim Bären­re­it­er-Ver­lag wer­den die Rhap­so­di­en nun als Einze­laus­gaben neu aufgelegt.
Die vor­liegende Urtex­taus­gabe wid­met sich der zweit­en Rhap­sodie in g-Moll op. 45/2. Dabei erfüllt die Edi­tion durch die Her­anziehung ein­er bre­it­en Basis an Quellen alle Kri­te­rien ein­er wis­senschaftlich-kri­tis­chen Aus­gabe. Im Wesentlichen stützt sich der Her­aus­ge­ber Robert Simon auf die vom Kom­pon­is­ten autorisierte Sim­rock-Erstaus­gabe als Haup­tquelle und das Auto­graf als Neben­quelle. Bei prob­lema­tis­chen Stellen wur­den zusät­zlich die Erstaus­gabe der Einzel­stim­men sowie Auto­graf und Erstaus­gabe der Klavier­bear­beitung kon­sul­tiert, wobei der Her­aus­ge­ber sein Vorge­hen im Kri­tis­chen Bericht trans­par­ent macht und vorge­fun­dene Wider­sprüche doku­men­tiert. Im Vor­wort, welch­es in drei Sprachen – Englisch, Tschechisch und Deutsch – enthal­ten ist, gibt Simon sowohl Ein­blicke in Werk­ge­nese und Entste­hungskon­text als auch in die Rezep­tion­s­geschichte. Die Basis hier­für bildet die Auswer­tung weit­er­er Quellen wie Brief­doku­mente und zeit­genös­sis­che Rezen­sio­nen.
Abschließend zu erwäh­nen ist der über­sichtliche und gelun­gen pro­por­tion­ierte Noten­satz, der wie gewohnt die hohe Qual­ität der Bären­re­it­er-Edi­tio­nen ausze­ich­net. Die Aus­gabe ist als Par­ti­tur und in Einzel­stim­men erhältlich, sodass auch unter auf­führung­sprak­tis­chen Aspek­ten keine Wün­sche offen bleiben.
Bernd Wladi­ka