Georg Friedrich Händel

Six Piano Concertos op. 7

Matthias Kirschnereit (Klavier), Deutsche Kammerakademie Neuss, Ltg. Lavard Skou Larsen

Rubrik: CDs
Verlag/Label: cpo 777 855-2
erschienen in: das Orchester 01/2017 , Seite 64

Auch auf sein­er drit­ten, die Gesamtein­spielung aller Orgelkonz­erte Georg Friedrich Hän­dels abschließen­den CD kann der Pianist Matthias Kirschnere­it mit seinem Ansatz überzeu­gen, die Orgelkonz­erte auf einem mod­er­nen Stein­way zu inter­pretieren. Klangvoll unter­stützt wird er bei der Auf­nahme der Konz­erte Nr. 7–12 op. 7 Nr. 1–6 HWV 306–311 wie schon in den bei­den vorherge­gan­genen Fol­gen von der eben­so aufmerk­sam wie reak­tions­freudig beglei­t­en­den Kam­mer­akademie Neuss unter Leitung des Geigers Lavard Skou Larsen.
Die Samm­lung dieser sechs Konz­erte ist erst 1761, also nach Hän­dels Tod, von dessen Adla­tus John Christo­pher Smith veröf­fentlicht wor­den. Auf­grund der musikalis­chen Qual­ität der Kom­po­si­tio­nen spricht jedoch nichts dage­gen, sie eben­so wie die Konz­erte Nr. 1–6 op. 4 (HWV 289–294, cpo 777837–2, siehe Rezen­sion in das Orch­ester 2/2014, S. 75) und die Konz­erte Nr. 13–16 (HWV 295, 296, 304, 305a, cpo 777854–2) als orig­i­nale Hän­del-Werke anzuse­hen und ihnen dieselbe musikalis­che Inten­sität und Liebe zum Detail angedei­hen zu lassen, wie dies bei den bei­den anderen, 2013 und 2014 erschiene­nen CDs mit Kirschnere­it und der Deutschen Kam­mer­akademie Neuss geschah.
Auf der auch klan­glich sehr überzeu­gen­den SACD geht der Pianist seinen in den bish­eri­gen Ein­spielun­gen vorgeze­ich­neten Weg kon­se­quent weit­er. Er nutzt die klan­glichen Möglichkeit­en des Stein­ways unter sehr diskretem Ped­al­ge­brauch, um sich den Konz­erten impro­visierend zu näh­ern. Bekan­nter­maßen hat Hän­del seine Orgelkonz­erte für eine ein­man­u­alige Orgel ohne Ped­al konzip­iert – sie wur­den als Zwis­chenak­t­musik bei Umbau­pausen sein­er pop­ulären Ora­to­rien­auf­führun­gen ab 1735 benutzt und unter­strichen zugle­ich Hän­dels Rang als genialer Impro­visator.
Darauf ist auch die teil­weise skizzen­hafte Nota­tion des Orgel­parts durch Hän­del zurück­zuführen. Dem Pianis­ten gibt dies viele Gele­gen­heit­en, sein­er Klang­fan­tasie im Zusam­men­spiel mit der Kam­mer­akademie freien Lauf zu lassen und großzügig mit dem musikalis­chen Mate­r­i­al umzuge­hen. Wobei musikalis­ch­er Geschmack und stilis­tis­ches Feinge­fühl für die eben­so sub­til wie expres­siv ange­gan­gene Orna­men­tik den Rah­men für Kirschnere­its Spiel bilden. Ger­ade weil er kein Spezial­ist für Alte Musik ist, von Mozart und der Roman­tik her kommt, kann er sich geschmack­lich immer abgesicherte Frei­heit­en der Gestal­tung nehmen. Ein Hörvergnü­gen, dem man sich kaum ver­schließen mag.
Wal­ter Sch­neck­en­burg­er