Ulrike Roos von Rosen

Singen

Diana Damrau, Anja Harteros, Jonas Kaufmann und viele andere geben Auskunft

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Königshausen & Neumann, Würzburg
erschienen in: das Orchester 07-08/2018 , Seite 55

Sin­gen“ ste­ht in großen Let­tern auf schwarzem Unter­grund, das ein Büh­nen­bild mit Trep­pen­stufen darstellt, in der oberen Bild­hälfte der Tor­so eines Mannes, weit­er unten eine Dame, weißer Tüll­rock, rot­er Lack­man­tel, sehr edel.
Schon ein erstes Hinein­blät­tern in diesen Bild­band macht neugierig, rührt an eine ästhetis­che Seite, die auch bei weit­erem Durch­blät­tern nicht ent­täuscht wird. Die Seit­en zeu­gen von höch­ster Glanzqual­ität, die Fotos sprin­gen ins Auge durch inten­sive Far­bgestal­tung, zwis­chen ihnen immer wieder Seit­en mit Zitat­en, Fragestel­lun­gen, The­sen in sehr großer Schrift, die Erläuterun­gen und Erk­lärun­gen dazu dann auf den fol­gen­den Seit­en gut gegliedert in etwas kleineren Let­tern, die jedoch eben­so müh­e­los zu lesen sind.
Genau die richtige Dosis an The­o­retis­chem wech­selt mit Unter­halt­samem, Inter­es­san­tem, sowohl für ange­hende Sänger als auch für alle diejeni­gen, die schon immer einen etwas tief­er­en Blick hin­ter die Kulis­sen dieses Berufes, der hier mitunter als Leben­sart dargestellt wird, wer­fen woll­ten, sich einen Überblick rund um die Oper zu ver­schaf­fen suchen. So geht es denn um Fra­gen wie: Auf welche Beson­der­heit muss der Kostüm­bild­ner acht­en? Muss man heute schön sein, um Erfolg zu haben? Wie hil­ft Neu­ro­feed­back dem Sänger? Wie haben sich die Bild­wel­ten der Oper seit rund 100 Jahren verän­dert? Black­out: Wie war das noch? Und wenn man die Stimme während eines Auftritts ver­liert? Wie funk­tion­iert Sprechen und Sin­gen?
All diese und noch viel mehr Fra­gen tauchen in den ins­ge­samt 17 Unterkapiteln des Buchs auf, die sich im ersten Teil dem Leben des Sängers an sich wid­men und sich im zweit­en unter der Über­schrift „Im Dien­ste des Gesangs“ um Antworten rund um den Opern­be­trieb, die Salzburg­er Fest­spiele, Net­zw­erke und Förder­er und ein paar wis­senswerte und inter­es­sante Brock­en aus der Hirn­forschung drehen.
Ganz zu Beginn jedoch find­en wir ein paar Grund­la­gen, ger­ade so detail­liert, dass wir erfahren, wie in etwa die Stimm­lip­pen, die Atmung und die Ohren funk­tion­ieren, was beim Stimm­bruch passiert und wie sich nach Mei­n­ung von Diana Dam­rau eine Sänger­stimme entwick­elt. Sie – wie auch ihre Kol­le­gen Anja Har­teros, die einiges am Gesangsstudi­um ändern würde; Jonas Kauf­mann; Lud­wig Hart­mann, dem als Beson­der­heit sein­er Regens­burg­er Domspatzenkar­riere zunächst der Schweine­brat­en ein­fällt; Catri­ona Smith, die ange­blich als Kind nicht sin­gen kon­nte; Chris­t­ian Ger­ha­her und einige mehr – geben erfrischend authen­tisch Auskun­ft über ihr Studi­um, die let­zten Minuten vor dem Auftritt, ihre Kind­heit.
Natür­lich kann so ein Bild­band, der eigentlich schon ein Kun­st­band ist, all diese The­men nur anschnei­den. Doch die Art und Weise wie dies hier gemacht ist, ist höchst unter­halt­sam und gle­icher­maßen infor­ma­tiv und bietet eine wertvolle Samm­lung von Fotografien, die man gerne immer wieder anse­hen möchte.
Kathrin Feld­mann