Johann Melchior Molter

Sinfonien Nr. 98 B–Dur/ Nr. 99 B–Dur/ Nr. 100 B–Dur/ Nr. 137 C–Dur/ Nr. 162 D–Dur

hg. von Michael Schumacher, Partituren

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Dohr, Köln 2021
erschienen in: das Orchester 10/2021 , Seite 71

Der Thüringer Barock­kom­pon­ist Johann Mel­chior Molter (1696–1765) war ein­er der pro­duk­tivsten Sin­foniekom­pon­is­ten der Welt. Er schrieb die bedeu­tende Zahl von 169 Sin­fonien, die aber bei Weit­em nicht Beethoven’sche Aus­maße bedi­enen, son­dern eher als größere Instru­men­tal­stücke mit ein­er Dauer von rund 15 Minuten Länge zu ver­an­schla­gen sind. Daneben kom­ponierte Molter – der heute vor allem für seine Trompe­ten- und Klar­inet­tenkonz­erte bekan­nt ist, die zu den früh­esten Vertretern der Gat­tung gehören – Kirchen- und weltliche Kan­tat­en, das Kar­fre­itag­so­ra­to­ri­um Höchst schmerzvoller Tag, Ouvertüren, Orch­ester­son­at­en, ‑konz­erte und ‑menuette und ca. 100 kam­mer­musikalis­che Kom­po­si­tio­nen sowie Opern, von denen nur die Textbüch­er über­liefert wurden.
Molter wurde 1696 im thüringis­chen Tiefenort an der Wer­ra als Sohn des Kan­tors Valentin Molter geboren. Auf ein­er Ital­ien­reise von 1719 bis 1721 studierte er die ital­ienis­che Manier von Vival­di, Albi­noni und von Alessan­dro und Benedet­to Mar­cel­lo. 1721 wurde er Konz­ert­meis­ter und 1722 Hofkapellmeis­ter in Karl­sruhe. Im gle­ichen Jahr erschien Molters einziges zu Lebzeit­en gedruck­tes Werk Eser­cizio Stu­dioso, sechs Vio­lin­sonat­en mit Cem­balobe­gleitung. Ab 1734 war er Kapellmeis­ter am Hof des Her­zogs Wil­helm Hein­rich von Sach­sen-Eise­nach, bevor er sich 1737/38 auf seine zweite Ital­ien­reise begab, wo die neapoli­tanis­che Schule großen Ein­fluss auf sein Schaf­fen gewann. 1743 reor­gan­isierte Molter die Karl­sruher Hofkapelle. Er starb am 12. Jan­u­ar 1765 in Karl­sruhe, wo sein Sohn Friedrich Valentin Molter als Direk­tor der Hof­bib­lio­thek seinen musikalis­chen Nach­lass verwahrte.
Molters Werke lagen bish­er nur in weni­gen Musikedi­tio­nen vor, da sein Schaf­fen bald nach seinem Tod in Vergessen­heit geri­et und das Werk erst ab dem 20. Jahrhun­dert sys­tem­a­tisch erschlossen und erforscht wurde. Umso wichtiger ist das Unter­fan­gen der Edi­tion Dohr anzuse­hen, die Sämtliche Sin­fonien, so auch der Titel der his­torisch kri­tis­chen Par­ti­tu­raus­gaben, basierend auf den Hand­schriften der Badis­chen Lan­des­bib­lio­thek Karl­sruhe, der Öffentlichkeit zugänglich machte.
Die vor­liegen­den fünf Sin­fonien in drei Bän­den (Vol. 36, 61 und 86), her­aus­gegeben von Michael Schu­mach­er, zeigen ital­ienis­che (u. a. neapoli­tanis­che Schule), franzö­sis­che und mit­teldeutsche Ein­flüsse (z. B. Tele­mann). Sie sind zumeist in der üblichen Satz­folge Allegro/ Andante/Allegro gehal­ten. Der infor­ma­tive Kri­tis­che Bericht gibt Auskun­ft über Edi­tion­srichtlin­ien und Quel­lenort. Ein sehr lesenswertes Vor­wort zeich­net die Lebenssta­tio­nen Johann Mel­chior Molters nach. Das über­sichtliche, schön schlichte Noten­de­sign in geeigneter Druck­größe lädt in der Beset­zung Oboe 1+2/Traversflöte, Horn 1+2 in B, C bzw. D, Clar­i­no 1+2 in C, Pauken, Vio­line 1+2, Vio­la, Vio­lon­cel­lo und Cembalo/Basso zum Musizieren ein.
Clau­dia Behn