Olli Mustonen

Sestetto

per pianoforte, flauto, oboe, clarinetto in La, corno in Fa e fagotto, basato sul quintetto per pianoforte e quartetto d‘archi, Partitur und Stimmen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott
erschienen in: das Orchester 12/2017 , Seite 63

Drei Sätze, Dra­matik und Effekt – Olli Mus­to­nen legt ein imposantes Sex­tett vor. Basierend auf seinem Klavierquin­tett lässt er hier mit Holzbläserquin­tett und Klavier Klang, Ekstase und Ver­haltenes wohlge­set­zt ertö­nen. Tech­nisch ist das Ses­tet­to dur­chaus anspruchsvoll, dem inter­essierten Zuhör­er sich­er ein ful­mi­nantes Vergnü­gen.
Im For­tis­si­mo startet der erste Satz: Akzen­tu­iert legt das Klavier Akko­rde (das Sechzehn­tel wirkt als langer Vorhalt zum Akko­rd und steigert die Dra­matik) vor. Die Bläs­er fügen in den ersten zwei Tak­ten lange Töne in tiefer Lage dazu, bis sie zweimal in das Akko­rd­mo­tiv mit ein­stim­men. Tiefe Achtel auf den Zäh­lzeit­en (gewürzt durch einige Tak­twech­sel) sor­gen bald schon im Klavier für vor­wärts treibende Bewe­gung, fast wie die kurze Per­si­flage eines Walz­ers im Dreivier­tel- und Zweivierteltakt. Einige Bläs­er set­zen Synkopen dazu, das Klavier geht eben­falls zu Synkopen über – bis sich alle sechs Instru­mente im kräfti­gen Synkopen­reigen endlich zusam­men­find­en. Anschließend fol­gen die schon bekan­nten Achtel des Klaviers (wiederum auf den Schlä­gen), dazu gibt es Ein­würfe der Bläs­er.
Har­monisch nur gemäßigt mod­ern, rhyth­misch recht expres­siv, spielt Mus­to­nen nun mit dieser Stim­mung und verdichtet den Klavier­satz kurzzeit­ig auf Vier­tel, die in marschierende Achtel mün­den. Eine Art Gigue wird ins molto pas­sion­a­to gesteigert – um wieder zu verebben. Wenige Zweiund­dreißig­s­tel-Läufe und Sechzehn­tel-Sep­tolen in Flöte und Klar­inette streuen Glan­zlichter, und Mus­to­nen spielt – immer die Dra­maturgie im Auge – wieder ein wenig mit dem Tem­po. Am Ende des Satzes ste­hen Akko­rde und Tö­ne als Vier­tel im Forte­for­tis­si­mo. Im Vor­wort ver­spricht Mus­to­nen „Dra­matik und Lei­den­schaft“ im ersten Satz. Genau dies liefert dieser Satz, gut geset­zt und spiel­freudig.
Nach Tut­ti und Klangfülle startet der zweite Satz mit nur weni­gen Tönen. Die Klar­inette darf solis­tisch ele­gante Melan­cholie ver­bre­it­en, bis die Oboe übern­immt, umspielt von san­ften Flö­ten­tö­nen. Das Klavier hält sich zunächst sehr zurück, scheint das Bläserquin­tett kurzzeit­ig sog­ar nur zu begleit­en, bis es mit fließen­den Achteln, wie sie von der Flöte schon einge­führt wur­den, wieder ein­steigt. Ein schneller Teil, geprägt von Tri­olen, fol­gt. Eine Achtel­vari­a­tion fol­gt im Anfang­stem­po des Satzes und auch das Klavier lässt nun das The­ma in der recht­en Hand, unbe­gleit­et vom Quin­tett, erklin­gen. Die Bläs­er dür­fen kurz den The­menkopf zitieren, dann set­zt das Klavier mit Achtelket­ten wieder ein. Pianist Mus­to­nen lässt das Klavier nun vir­tu­os galop­pieren, doch am Ende des Satzes bleibt nur ein einzelnes Gis der Klar­inette übrig.
Sehr langsam startet der dritte Satz (Finale) mit tiefen Achteln im Klavier. Mis­te­rioso soll es klin­gen, wün­scht Mus­to­nen. Drän­gend übern­immt das Klavier wieder ein­mal die Führung (kein Wun­der, ist der Kom­pon­ist doch selb­st ein her­aus­ra­gen­der Pianist!). Die Musik verdichtet sich, das Tem­po zieht an – ein Dreivierteltakt am Ende betont die Schluss­wirkung und bremst zugle­ich, bewusst, den Ver­lauf.
Heike Eick­hoff