Péter Eötvös

Sentimental

für Kornett in Es und Flügelhorn in B (1 Spieler), Einzelausgabe

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott
erschienen in: das Orchester 4/2019 , Seite 66

Mit diesem Werk zeigt Péter Eötvös (*1944) seine Zunei­gung zur Jazzmusik. Er wen­det sich von seinem avant­gardis­tis­chen Kom­po­si­tion­sstil ab und kom­poniert ein sen­ti­men­tales Stück für einen Solobläs­er. Als Vor­bild nimmt sich der ungarische Kom­pon­ist den Jaz­ztrompeter Clark Ter­ry. Schon in den 1960er Jahren hat Ter­ry abwech­sel­nd auf dem Flügel­horn und ein­er kom­pakt gebaut­en Trompete mit häu­fi­gen Rohrwin­dun­gen, ein­er Taschen­trompete, gespielt.
Sen­ti­men­tal ist für zwei Instru­mente kom­poniert, wird aber von nur einem Solospiel­er vor­ge­tra­gen. Der Musik­er muss ständig zwis­chen Kor­nett in Es und Flügel­horn in B wech­seln. Ver­gle­ich­bar wäre, wenn ein Geiger zwis­chen Vio­line und Vio­lon­cel­lo wech­seln müsste!
Durch ihren weichen, samti­gen Ton passen bei­de Instru­mente gut zueinan­der und geben den sen­ti­men­tal­en Charak­ter des Stücks wieder. Mit 127 Tak­ten und ein­er Spiel­d­auer von ca. sieben Minuten ist das Stück nicht sehr lang, aber durch die unter­schiedlichen Klang­far­ben der Instru­mente sehr abwech­slungsre­ich. Viele Ele­mente aus dem Jazzbere­ich wer­den ver­langt, wie zum Beispiel Vibratospiel oder Effek­te mit hal­bge­drück­ten Ven­tilen. Die san­ften Blues­pas­sagen ver­lei­hen dem Stück eine gefüh­lvolle Stim­mung.
Mit Snatch­es of a Con­ver­sa­tion (2001) hat Eötvös bere­its ein exper­i­mentelles Stück für Trompete geschrieben; es ist Mar­co Blaauw (geb. 1965), Trompe­ten­solist und Mit­glied des in Köln ansäs­si­gen Ensem­ble Musik­fab­rik, gewid­met. Sen­ti­men­tal wurde am 4. Okto­ber 2017 in der Con­cert­ge­bouw-Recital-Hall in Ams­ter­dam von Tamás Pál­falvi uraufge­führt.
Obwohl es nicht expliz­it im Noten­text ste­ht, spielt das Kor­nett in Es und klingt dadurch eine Terz höher als notiert. Das Flügel­horn ist in B und klingt einen Ton tiefer als notiert. Dadurch entste­ht ein großer Ton­la­ge­nun­ter­schied zwis­chen den Instru­menten. Bei­de Ins­tu­mente müssen gle­ichzeit­ig gehal­ten wer­den und der Bläs­er muss mit bei­den Hän­den, links und rechts, gekon­nt greifen kön­nen. Während das Flügel­horn über­wiegend tief spielt, muss das Kor­nett teil­weise sehr hoch, bis zum klin­gen­den ges”’ spie­len.
Sen­ti­men­tal begin­nt mit ein­er Solopas­sage für Kor­nett, gefol­gt von ein­er Pas­sage des Flügel­horns und wiederum vom Kor­nett. Danach muss der Spiel­er bei­de Instru­mente gle­ichzeit­ig nehmen und schnell hin und her wech­seln. Die tief­ere Flügel­horn­stimme ist meis­tens getra­gen und ruhig. Im Gegen­satz dazu spielt das Kor­nett oft mit schar­fen Akzen­ten und mit gestoch­en­er Bril­lianz.
Vom Inter­pre­ten wird ein gut entwick­eltes tech­nis­ches Kön­nen auf bei­den Instru­menten ver­langt. Triller, Flat­terzunge und Glis­san­di mit halb gedrück­ten Ven­tilen benöti­gen eine fort­geschrit­tene Spiel­prax­is. Das Vor­wort von Péter Eötvös ist auf Deutsch, Englisch und Franzö­sisch wiedergegeben.
Für fort­geschrit­tene Stu­den­ten und pro­fes­sionelle Musik­er ist das Stück auf jeden Fall empfehlenswert und kann als beson­deres Wet­tbe­werb­sstück dienen.
Thomas Swart­man