Tobias Hell

Schulter an Schulter mit den ganz Großen

Nachwuchsschmiede der besonderen Art: die Buchmann-Mehta School of Music in Tel Aviv

Rubrik: Aufsatz
erschienen in: das Orchester 10/22 , Seite 18

Um die Aussicht, die sie zwischen ihren Unterrichtsstunden genießen, kann man die Studierenden der Buchmann-Mehta School of Music wahrlich nur ­beneiden. Oben auf dem Campus der Universität von Tel Aviv: Dort, wo in nicht allzu weiter Ferne das Mittelmeer unter der sommerlichen Sonne glitzert und wo einem von den Ständen, die in einem kleinen Park unweit des Haupteingangs pünktlich zum Mittagessen aufgebaut werden, exotische Düfte in die Nase steigen.

Punkten kann die israelische Nachwuchsschmiede nicht nur, was das leibliche Wohl angeht. Die Buchmann-Mehta School of Music arbeitet nach einem praxisnahen Prinzip, wie man es so nur selten erlebt. Während junge Talente in vielen europäischen Musikzentren nach ihrem Hochschulabschluss auf einen der begehrten Plätze in den Akademien der großen Orchester hoffen, haben die Absolvent:innen aus Tel Aviv diese prägende Karrierephase meist schon während des Studiums hinter sich gebracht und bei mehr als einer Gelegenheit Einblicke in den Musikeralltag bekommen. Und dies keineswegs nur mit kleinen Kammermusik-Auftritten oder schulinternen Projekten, sondern gleich Schulter an Schulter mit den ganz Großen. Möglich wird dies durch die Kooperation mit dem ebenfalls in der pulsierenden Mittelmeer-Metropole beheimateten Israel Philharmonic Orchestra, dessen Nachwuchsprogramm 2005 in die Universität von Tel Aviv integriert wurde und seither eine wichtige Säule der damals neu gegründeten Buchmann-Mehta School of Music darstellt.

Schönbergs Credo
Dass es zu einer Zusammenarbeit kam, ist vor allem jenen beiden Herren zu verdanken, deren Namen in großen Lettern auf dem Messingschild neben der Eingangstür prangen und die auf mehr als einem Foto in den Büros und Unterrichtsräumen verewigt sind. An erster Stelle ist hier der Frankfurter Geschäftsmann und Holocaust-Überlebende Josef Buchmann zu erwähnen. Er zählte gemeinsam mit seiner Frau Bareket zu den Förderern des Israel Philharmonic Orchestra und wurde für sein kulturelles Engagement mehrfach ausgezeichnet. Wobei ihm die Buchmann-Mehta School immer besonders am Herzen lag, mit deren Studierenden er unter anderem 2008 bei den Vereinten Nationen in New York ein Gedenkkonzert für die Opfer des Holocausts organisierte. Ein bewegender Abend für alle Beteiligten, von dem die Gründungsmitglieder bis heute stolz erzählen.

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