Mussorgskij, Modest / arr. Albert Loritz

Scherzo

for Saxophone Quintet (SAATB)

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Advance Music, Mainz 2012
erschienen in: das Orchester 05/2013 , Seite 72

Der Ulmer Albert Loritz ist als Arrangeur in der deutschen Blas- und Bläser­musik­szene bestens bekan­nt, gehört er doch derzeit zu den aktivsten sein­er Zun­ft. Denn: Der Hunger nach guter Bläser­musik sowie leicht spiel­bar­er und frisch­er Musik für Bla­sor­ch­ester ist stets sehr hoch. Ver­gan­ge­nes Jahr hat sich Loritz Mod­est Mus­sorgskij zuge­wandt, der durch seine far­big-rus­sis­che Ton­sprache einst Mau­rice Rav­el angeregt hat­te, seine für das Klavier kom­ponierten Bilder ein­er Ausstel­lung zu orchestri­eren, oder Niko­laj Rim­skij-Kor­sakow seine große Oper Boris Godunow instru­men­tal zu würzen.
Das 1858 kom­ponierte Scher­zo, das in zwei Ver­sio­nen existiert und sich vor allem im Trio unter­schei­det, kom­ponierte Mus­sorgskij als exper­i­men­tier­freudi­ger Neun­zehn­jähriger. Loritz ori­en­tierte sich bei sein­er Be-
arbeitung für Sax­o­fon­quin­tett (ein Sopran‑, zwei Alt‑, ein Tenor- und ein Bari­ton­sax­o­fon) an der ersten Fas­sung. Ausgenom­men seien lediglich „einige Tak­te vor Beginn des Trios“. Außer­dem set­zte er es um einen Halbton tiefer in klin­gend Es-Dur. Das kommt den in Es ges­timmten Sax­o­fo­nen (Alt und Bari­ton) sehr ent­ge­gen, die nun im notierten C‑Dur statt Cis-Dur mit sieben Kreuzen in klin­gend E‑Dur, spie­len kön­nen (das wäre eine wahre Fried­hof­s­musik…). Aber auch die in B ges­timmten Instru­mente prof­i­tieren davon: Sie dür­fen ein bequemes F‑Dur statt Fis-Dur blasen, was dem Stück selb­st sicher­lich nicht schadet. Das Trio ste­ht eine Quarte höher in klin­gend As, was den Sax­o­fon­spiel­ern gewiss eben­so mehr Freude bere­it­et wie ein klin­gend A. Fern­er ist auch die Par­ti­tur transponiert gedruckt, was die Les­barkeit erhe­blich erle­ichtert. Ab Takt 65 sind in der Sopransax­o­fon-Stimme alter­na­tiv die sehr hohen Noten der notierten dreigestrich­enen Oktave um eine Oktave nach unten geset­zt. Die Vorze­ichen scheinen allerd­ings willkür­lich gewählt und kön­nen ins­beson­dere im Trio zu har­monis­chen Ver­wirrun­gen führen.
„Im Haupt­teil wech­seln sich Alt­sax­o­fon 1 und Sopransax­o­fon mit der Melodieführung ab, das Trio ist geprägt von einem expres­siv­en Sopran-Solo“, so Loritz in seinem knap­pen Vor­wort. Überdies kennze­ich­nete er die Abschnitte, in denen „das jew­eilige Instru­ment die Führung übern­immt“, mit ein­er Klam­mer über den Noten, so auch in der Par­ti­tur. Zur Aus­führung ergänzt Loritz: „Für eine überzeu­gende Inter­pre­ta­tion des Scher­zos sind die Abstu­fun­gen in der Dynamik von großer Bedeu­tung. Auch der Kon­trast zwis­chen stac­ca­to im Haupt­teil und lega­to im Trio sollte präzise wiedergegeben wer­den.“
Das ganze Scher­zo passt wun­der­bar auf eine Dop­pel­seite und ist – voraus­ge­set­zt, die passenden Instru­mente sind vorhan­den – vom Fleck weg ohne große tech­nis­che Schwierigkeit­en spiel­bar. Das in der Regel sel­tene Sopransax­o­fon kön­nte gar durch eine B‑Klarinette erset­zt wer­den. Andere Kom­bi­na­tion­s­möglichkeit­en sind bei guter Transponier­be­gabung möglich. Auf jeden Fall ste­ht wie es Loritz hoff­nungs­froh for­muliert, „einem Erfolg beim Pub­likum nichts im Wege…“
Wern­er Bodendorff