Sauter, Ernest

Sämtliche Streichtrios

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Ars Produktion ARS 38 492
erschienen in: das Orchester 12/2010 , Seite 77

Wenn eine Stiftung eingerichtet wird, die sich „das Streichtrio in unserer Zeit“ nennt, muss die Liebe zu dieser Gattung sehr groß sein. Der Komponist Ernest Sauter hat eine solche Stiftung ins Leben gerufen, sein Werkverzeichnis enthält drei Streichtrios, die für die vorliegende CD eingespielt wurden.
In der Tat sind Kompositionen für diese Besetzung weniger gepflegt worden, von Haydn, Beethoven und Schubert gibt es wichtige Beiträge, im 20. Jahrhundert wurde eine Reihe Streichtrios geschrieben, die jedoch in der Aufführungsfrequenz deutlich im Schatten von Quartetten stehen. Können Sauters Kompositionen den Anspruch, die lineare Spezifik der drei Instrumente herauszuarbeiten, dabei aber auch Klangfülle zu erzeugen, einlösen? Zumindest in seinem letzten Trio durchaus.
Der in Deutschland wenig bekannte Komponist, Jahrgang 1928, arbeitet seit ca. 30 Jahren in Südfrankreich. Zuvor hervorgetreten vor allem als Ballettkomponist, hat er in Suzette in der Provence ein Festival für Kammermusik ins Leben gerufen. Seine drei Trios, die er auch Les Trios Suzettois nennt, entstanden 1999, 2001 und 2007.
Sein erstes Streichtrio ist dreisätzig angelegt, auf einen motivisch geprägten Moderato-Satz folgt ein quasi improvisatorisches Zwischenspiel, diesem ein nicht durchgehendes Agitato. Die Musiksprache ist neo-expressionistisch, Vorliebe für Tritoni und Septen erinnern an die Wiener Schule. Die Spieltechniken gehen über sul-ponticello- und col-legno-Passagen nicht hinaus. Das zweite Trio trägt den Titel Ballade, in ihm sollen sich persönliche Begebenheiten widerspiegeln, dies weder konkret noch chronologisch. Generell ist die Formgebung bei Sauter eher assoziativ, der Grundaffekt ist oft lyrisch und ernst, unterbrochen von heftigen Ausbrüchen. Dabei kommen dem Rhythmus und dem Kontrapunkt oft grundlegende Bedeutung zu. Im dritten Trio knüpft Sauter mit Zentraltontechnik, vermehrten Konsonanzen und variablen Metren an andere Techniken der Musik des 20. Jahrhunderts an, stilistisch auch an seine vorigen Streichtrios.
Das Deutsche Streichtrio in der Besetzung Hans Kalafusz, Jürgen Weber und Reiner Ginzel spielt die Werke mit Engagement, es hat alle drei Trios uraufgeführt. In der Intonation nicht immer perfekt, erreicht es doch, disparate Blöcke zusammenzuhalten und die Affekte deutlich herauszustellen. Die zuweilen hohen technischen Anforderungen werden gemeistert. Aufnahmetechnisch bleiben keine Wünsche offen, der Klang der Streichinstrumente ist klar und natürlich eingefangen.
Diese CD ist Anhängern einer solide gearbeiteten Kammermusik, die sich der klassischen Moderne verpflichtet fühlt, zu empfehlen.
Christian Kuntze-Krakau