Werke von Schumann, Brahms und Schubert

Romantic Reflections

Duo Imaginaire: John Corbett (Klarinette, Bassetthorn), Simone Seiler (Harfe)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: TyxArt
erschienen in: das Orchester 07-08/2020 , Seite 74

Reflec­tions lautet der Titel der neuen CD des inter­na­tion­al bekan­nten Duo Imag­i­naire. John Cor­bett (Klar­inette, Bas­set­thorn) und Simone Seil­er (Harfe), bei­de führende Mit­glieder des Phil­har­monis­chen Orch­esters Hagen, spie­len hier in eige­nen Arrange­ments kam­mer­musikalis­che Werke: von Robert Schu­mann drei Romanzen op. 94, von Johannes Brahms die Inter­mezzi für Klavier op. 117 Nr. 1–3, op. 118 Nr. 2 und op. 119 Nr. 1 und 2 und zum Schluss die Arpeg­gione-Sonate von Franz Schu­bert.
In dem sehr fundiert geschriebe­nen Book­let stim­men bedauer­licher­weise unter anderem die Lebens­dat­en von Schu­bert nicht. Sodann erscheint der Text über die zu hören­den Werke nicht wie üblich in der Rei­hen­folge ihres Spiels. Auch trübt das nüchterne Design der CD meinen Ein­druck etwas:
Die bei­den Kün­stler präsen­tieren sich im immer gle­ichen Out­fit (Jeans und weißes Hemd) und pas­siv­en Auf­stel­lun­gen zu ihren Instru­menten. Das passt in kein­er Weise zu ihrer musikalisch aus­ge­drück­ten Begeis­terung für diese roman­tis­chen Perlen der Musik, welche sie vor allem durch ihre gute Spielqual­ität beweisen – schade. Bei John Cor­bett gefall­en mir das saubere und musikalis­che Spiel sowie sein weich­er Klar­inet­ten­klang. Lediglich in der Arpeg­gione- Sonate, in der er Bas­set­thorn spielt, stelle ich hier und da Into­na­tion­ss­chwankun­gen fest. Simone Seil­er zeigt mit ihrem Har­fen­spiel
gute Tech­nik und viel Musikalität. Jedoch hätte ich mir des Öfteren mehr Ein­fühlsamkeit gegenüber der Klar­inette gewün­scht. Seil­er spielt zum Beispiel häu­fig zu früh auf Anfangs- oder Zieltöne ihres Part­ners hin. Dadurch strahlt sie für mich musikalisch eine gewisse Unruhe aus. Wir Har­fenis­ten ken­nen ja alle dieses generelle Warten und „Mitat­men“ auf einen Ziel­ton von Blas- oder Stre­ichin­stru­menten, sei es im Orch­ester oder in der Kam­mer­musik. Um nur ein Beispiel dafür zu nen­nen: Gus­tav Mahlers Adagi­et­to aus sein­er 5. Sin­fonie. Schließlich wün­schte ich mir von Simone Seil­er mehr Präg­nanz und Gle­ich­berech­ti­gung der Fülltöne – ins­beson­dere in laut­en Akko­r­den –, ver­bun­den mit weniger Schärfe der Spitzen­töne. Da es in der Roman­tik für die Beset­zung Klar­inette und Harfe sehr wenig Orig­i­nal­lit­er­atur gibt, sei mir hier eine kleine Empfehlung erlaubt: In Franz Schu­berts Zauber­spiel in 3 Akten für Chor, Soli und Orch­ester Die Zauber­harfe spie­len Klar­inette und Harfe als Zwis­chen­spiel in der Nr. 3 „Melo­dram“ ein sehr lyrisches und langes Solo. Für John Cor­bett und Simone Seil­er wäre dieses her­rliche Orig­i­nal­stück, sofern sie es nicht ken­nen, gewiss eine Bere­icherung ihres umfan­gre­ichen Reper­toires. Trotz mein­er ver­schiedenar­ti­gen Gedanken empfinde ich Freude und Entspan­nung beim Hören dieser CD Roman­tic Reflec­tions und kann sie daher empfehlen.
Mar­i­on Hof­mann