Werke von Beethoven, Saint-Saëns, Dvořáks und anderen

Romances for Violin

Davide Alogna (Violine), Karsayaka Municipality Chamber Orchestra, Ltg. Hakan Sensoy

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Brillant Classics
erschienen in: das Orchester 12/2019 , Seite 65

Eigentlich eine beza­ubernde Kollek­tion, die uns hier geboten wird: so ziem­lich die schönsten Romanzen für die Geige. Aber: „Romance. What’s in a name?“, wird im Book­let gefragt. So vieles steckt in diesem Namen und in dieser – man darf schon sagen – Gat­tung: Schönes, Hässliches, Heit­eres, Trau­riges, San­ftes, Raues, Übermütiges, Trübsinniges. Eben diese Vielfalt ver­misst man vielerorts in der vor­liegen­den, im Mai 2018 in der Türkei aufgenomme­nen Ein­spielung.
Wo bleibt das trotz der (zeitlichen) Eroica-Nähe Leichte, Blühende der Beethoven-Romanzen? Mit teil­weise unvorteil­haften Fingersätzen und bemühten Akko­r­den und Glis­san­di, in teil­weise zumin­d­est ungewöhnlicher Phrasierung präsentiert der ital­ienis­che Geiger Davide Alogna Beethovens Juwele in F-Dur und G-Dur. Leere Sait­en sind zwar heutzu­tage nicht mehr verpönt, aber hier doch sehr plump. Die fre­undlichen, ver­spiel­ten Triller im Orch­ester wirken wie ein unlieb­sames Anhängsel, die Bässe kom­men in der zweit­en Romanze recht schwerfällig daher.
Bei den Romanzen op. 37 und 48 von Camille Saint-Saëns hinge­gen geht einem denn doch ab und an das Herz auf. Viel weit­er und großzügiger ist hier die klan­gliche Ent­fal­tung, bess­er gelingt der Dia­log zwis­chen Solist und Orch­ester. Eben­so bei Antonín Dvořáks Romanze in f-Moll, wo das Orch­ester schön im Hin­ter­grund schwingt, aus dem sich eine her­rlich dun­kle Flöte erhebt. Und hier passt auch das Glis­san­do hin. Das Beste bei Bruchs Romanze – Bruch, dieser durch und durch geigerische Roman­tik­er! – sind fast, ein wenig polemisch gesagt, die Pauke zu Beginn und der nach­den­kliche, fried­fer­tige Schluss. Die Roman­za op. 26 von Johan Svend­son, einem Zeitgenossen Bruchs, ist das let­zte Werk der Auf­nahme – ein biss­chen Film­musik, ein biss­chen Zirkus­musik. Das ist gut.
Die „echt­en“ Roman­tik­er scheinen dem Solis­ten wie auch dem Ensem­ble also mehr zu liegen als der „roman­tis­che Klas­sik­er“ Beethoven, wen­ngle­ich man auch bei ihnen Neues, Erheben­des ver­misst. Man hört den erfahre­nen Konz­ert­meis­ter (unter anderem des Orch­esters „La Ver­di“ in Mai­land), zu wenig jedoch den strahlen­den, inno­v­a­tiv­en Solis­ten. Im Ver­gle­ich sind die „alten“ Auf­nah­men von 2013 und 2014 überzeu­gen­der.
Car­o­la Keßler