Ristorante Allegro

Das philharmonische Familienmusical

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Sternschnuppe Verlag
erschienen in: das Orchester 03/2013 , Seite 72

“Spitzen­klang trifft Kinder­spaß”, der Slo­gan ziert das CD-Cov­er. Spitz­züngige Geis­ter mögen da nach dem Blick aufs Äußere „Lifestyle“-Kategorien ver­muten. Weil Mama und Papa schon bei Kita oder Grund­schule zumin­d­est Exzel­lenz-Kri­te­rien ver­lan­gen, wäre auch der „Spitzen­klang“ ein bil­dungskul­turelles Muss. Hört man indes hinein in diese CD, so kann man sich freuen über ein sehr gelun­ge­nes Pro­jekt, das die Edu­ca­tion-Idee, mit der so ziem­lich jedes Orch­ester um den Hör­ernach­wuchs buhlt, mit vergnüglich­er Lebendigkeit füllt.
Bei den Münch­n­er Phil­har­monikern ergab sich eine erfol­gre­iche Zusam­me­nar­beit mit Mach­ern der Stern­schnuppe-Lieder­büch­er und Stern­schnuppe-CDs, Mar­git Sarholz und Wern­er Meier. Das ging über die Idee hin­aus, die bekan­nten und beliebten Stern­schnuppe-Lieder in ein phil­har­monis­ches Gewand zu klei­den. Erdacht, pro­duziert und aufge­führt in der Phil­har­monie am Gasteig wurde Ris­torante Alle­gro, das “phil­har­monis­che Fam­i­lien-Musi­cal”, von dem die hier vor­liegende Audio-Pro­duk­tion einen unge­mein leb­haften Liveein­druck ver­mit­telt. Sarholz/Meier und ihr Arrangeur Rain­er Bartesch haben mit Ris­torante Alle­gro ein Musi­cal nach Pas­tic­cio-Art geschaf­fen, wobei man ver­führt ist, Pas­tic­cio hier als Steigerungs­form von Pas­ta zu ver­ste­hen.
Denn um Pas­ta und Co. rankt sich die lock­er gewirk­te “Hand­lung” um den Trubel ein­er Restau­ran­teröff­nung. Das hat die Leichtheit der Kasperlthe­ater-Dra­maturgie und macht auf deren Art auch das kindliche Miter­leben möglich. Da ist der Kühlschrank ver­schwun­den, denn er geht spazieren. Auf seinem Spazier­gang sam­melt der “coole Typ” all das ein, was in ihm gut aufge­hoben ist. Auch “Würs­tel”, die eigentlich heim nach Wien woll­ten. Unter den Restau­rant­gästen ist auch “Woody Worm”, der Holzwurm, und zum Dessert möchte man ihm Süßholz raspeln. An solchen poet­is­chen Spiel­ereien ist Ris­torante Alle­gro nicht arm, was auch den Erwach­se­nen Vergnü­gen bere­it­en kann.
Was macht das phil­har­monis­che Sich-Auf­brezeln mit den pop­pig-schwungvollen Liedern? Es nimmt ihnen ein­er­seits manch­es von ihrem naiv-kindlichen Mit­mach- und Mits­ingcharak­ter. Dass es sich­er die Erwach­se­nen waren, die auf dieser Auf­nahme gele­gentlich das Mitk­latschen nicht lassen kon­nten, sei hier ein­fach mal behauptet; das kann aber nur als ärm­lich­es Mit­machen beze­ich­net wer­den. Einem Song wie “Nina mag nur Nudeln” nimmt die schw­ergewichtige Orch­ester­fas­sung viel von seinem Man­do­linen­charme und der kindlich-leicht­en “Ital­ian­ità”. Ander­er­seits hat ein Orch­ester auch Wichtiges zu bieten zwis­chen Offenbach’schem Opera-Comique-Tem­pera­ment, opu­len­ter Far­bigkeit und viel­er­lei instru­men­taler Charak­ter­malereien: Da sieht man denn beim Posaunenglis­san­do den Zuck­er in die Creme rieseln. Und unser Kühlschrank-Spazier­gang wird hier zur böhmisch-dvorák’schen Salon-Pol­ka voller Holzbläs­er-Zärtlichkeit­en. Wom­it man wieder beim “Spitzen­klang” wäre, der indes auf der CD gerne ein­mal – dem Liveklang geschuldet – unaus­ge­wogen ausfällt.

Gün­ter Matysiak