Elsässer, Christian

Rise & Arrive

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Label 11 13-2, www.christianelsaesser.de
erschienen in: das Orchester 07-08/2013 , Seite 77

Wie beschreibt man Chris­t­ian Elsässers Musik? Wie beschreibt man Stim­mungen? Wie Schön­heit? Wie beschreibt man eine Musik, die nicht ein­fach unter­hält, son­dern den Zuhör­er mit­nimmt auf eine Reise durch die Wolken? Eine Melodie lässt sich beschreiben. Arrange­ment­tech­niken auch. Stim­mungen muss man erleben. Dass Chris­t­ian Elsäss­er in der Lage ist, seine Stim­mungen und Gefüh­le so in Musik zu fassen, dass man als Zuhör­er glaubt, gle­ich­sam mitzuschweben, wegge­tra­gen zu wer­den von der Kraft des Windes und der Wellen, das zeigt, welch große Kun­st in diesem doch noch sehr jun­gen Men­schen wirkt.
Rise & Arrive ist eine CD, die neben dem Ein­gangsti­tel Above All vor allem durch die seinem flug­begeis­terten, aber lei­der zu früh ver­stor­be­nen Vater gewid­mete dreisätzige Suite Tides geprägt ist.  Stilis­tisch sicher­lich in der Tra­di­tion Maria Schnei­ders und Bob Brook­mey­ers ange­siedelt, erin­nert die Stim­mung des Werks doch auch an Ken­ny Wheel­ers Music for large and small Ensem­bles, was auch sehr schön in Axel Schlossers Solo über Rise & Arrive zu hören ist. Wobei man Stim­mung auf keinen Fall mit Struk­tur oder Arrange­ment­tech­nik ver­wech­seln darf. Da sind dann doch deut­liche Unter­schiede.
Man kann eigentlich gar nicht mehr von „Big­band­musik“ im tra­di­tionellen Sinn sprechen, zu sehr erin­nert Chris­t­ian Elsäss­er an die großen For­men roman­tis­ch­er Werke. Am ehesten ver­ste­ht man die Musik der genan­nten Kom­pon­is­ten, wenn man zur gemein­samen Quelle dieser neuen Tra­di­tion von Big­band­kom­po­si­tion zurück­blickt: Gil Evans. Zwar exper­i­men­tierte schon Duke Elling­ton in den 1930er Jahren mit neuen, damals regel­recht uner­hörten Klän­gen. In seinen Suit­en schlug er von der Beset­zung her erste Brück­en in Rich­tung Klas­sik. Doch erst Gil Evans brachte die großen For­men, das Durchkom­ponierte, gar Sym­phonis­che in dieses Genre. Und schlug damit for­mal die Brücke zur „klas­sis­chen“ Kom­po­si­tion im Big­band­bere­ich.
Das Beson­dere an Elsässers Werken ist der große Bogen, den er zu span­nen ver­ste­ht. Die Musik lässt sich und dem Zuhör­er Zeit zum Atmen. Der Span­nungs­bo­gen wird immer wieder mit Bedacht neu mit Energie ver­sorgt. So beg­ibt man sich gerne mit auf die Reise durch zum Teil fast 20-minütige Kom­po­si­tio­nen, ohne müde zu wer­den oder sich gar zu lang­weilen.
Ein großes Lob gilt auch den Musik­ern der hr-Big­band. Es braucht eben nicht nur instru­men­tale Fähigkeit, son­dern vor allem musikalis­ches Ver­ständ­nis, um ein solch groß angelegtes Werk so umzuset­zen. Was dieses Ensem­ble hier zu Gehör bringt, ist vom Fein­sten. Hier wird nichts „durch­genudelt“, nichts erscheint unge­fähr. Diese Kom­po­si­tio­nen haben Herz und Hirn, und ihre Inter­pre­ta­tion entlässt den Hör­er in der dank-
baren Stim­mung, dabei gewe­sen zu sein. So bleibt zulet­zt nur noch der Wun­sch, noch öfter Zeuge solch großer Kun­st zu wer­den.
Math­ias Engl