Richard Wagner

Der Ring ohne Worte

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Oehms Classics
erschienen in: das Orchester 01/2018 , Seite 69

Bere­its Wag­n­ers Zeitgenossen beklagten, dass dieser große Musik­dra­matik­er keine Sym­phonien kom­poniert hat und somit den nicht an Opern­häusern beschäfti­gen Diri­gen­ten und Orch­estern nur eine sehr schmale Auswahl an Vor­spie­len und Ouvertüren zu ihrer musikalis­chen Ver­fü­gung hinterließ.Lorin Maazel, selb­st Diri­gent, hat diesem Desider­at einst mit seinem Arrange­ment Ring ohne Worte abge­holfen, ein­er gut auf ein­er CD unterzubrin­gen­den Kom­pi­la­tion der vier großen Musik­dra­men Wag­n­ers, die in dieser Fas­sung im Grunde wirken wie eine lange, vielgestaltige Sym­phonie: eine schöne Sache für Wag­ne­r­i­an­er, die ger­ade keine 16 Stun­den Zeit haben, um ein­mal wieder (fast) alle Motive zu hören; eine feine Ein­führung für Ein­steiger ins Wag­n­er-Uni­ver­sum. Und Maazel hat hier tat­säch­lich auss­chließlich Musik von Wag­n­er verbaut.Die Staatskapelle Weimar, die sich dem Kom­pon­is­ten ob Wag­n­ers Verbindun­gen zu ihrer Stadt tra­di­tionell verpflichtet fühlt, nahm diese „Sym­phonis­che Dich­tung mit Orch­ester­szenen aus dem Ring des Nibelun­gen“ nun unter der Leitung von Han­sjörg Albrecht, dem kün­st­lerischen Leit­er des Münch­n­er Bach-Chors und -Orch­esters, auf und legte damit eine CD vor, die schön, wenn auch nicht per­fekt ist.Das begin­nt damit, dass das
Orch­ester häu­figer nicht zusam­men­spielt (begin­nend im Rhein­gold-Vor­spiel). Zu loben sind die dur­chaus schö­nen Solis­ten­leis­tun­gen der Musik­er und die meist recht gute Into­na­tion. Gle­ich­wohl spielt die Staatskapelle wenig durch­hör­bar, sehr flächig; oft kann man einzelne Reg­is­ter etwa der Stre­ich­er kaum voneinan­der unter­schei­den. Das scheint ger­ade für Wag­n­ers so (im wahrsten Sinne des Wortes) vielschichtige Musik ungeschickt und erzeugt einen kom­pak­ten, etwas dumpfen, aber immer­hin stets sehr war­men Klang.Mit diesem recht block­haften Spiel mag es auch zu tun haben, dass gele­gentlich die Bal­ance etwas aus dem Rud­er läuft (am Anfang spielt beispiel­sweise das zu den Hörn­ern ein­set­zende Fagott plöt­zlich sehr dom­i­nant) und dass die Auf­nahme ins­ge­samt eher wenig atmo­sphärisch ist. Die Töne wirken in manchen, ger­ade getra­generen Pas­sagen nur aneinan­derg­erei­ht, was an den speziell in lan­gen Lin­ien oft fehlen­den oder abbrechen­den Span­nungs­bö­gen liegt; die Musik­er gehen zu sehr von einem Ton weg, sodass die Verbindung zum näch­sten fehlt – etwa in „Wotans Abschied“ und „Feuerza­uber“. Eher langsame Tem­pi Albrechts befördern das noch.Dennoch kann man die CD dur­chaus als inter­es­santes Ver­gle­ichsstück zu der nach wie vor erhältlichen Ref­eren­za­uf­nahme mit den Berlin­er Phil­har­monikern unter Maazel selb­st empfehlen. Nichts ist wirk­lich schlecht, viel wirk­lich schön. Und deshalb sollte man sie auch sicher­heit­shal­ber nicht im Auto hören, denn die – natür­lich schon von Wag­n­er entsprechend angelegte – dynamis­che Band­bre­ite der Par­ti­tur wird von Han­sjörg Albrecht und seinem Klangkör­p­er voll und dur­chaus fein dif­feren­ziert aus­geschöpft. Das kön­nte unfall­trächtig sein…
Andrea Braun