Wolfgang Mende/Hans-Günther Ottenberg (Hg.)

Richard Strauss und die Sächsische Staatskapelle

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Olms, Hildesheim
erschienen in: das Orchester 10/2019 , Seite 58

Während des Richard-Strauss-Jahres 2014 fand in Dres­den eine Tagung zum The­ma „Richard Strauss und die Säch­sis­che Staatskapelle“ statt. Das daraus ent­standene, über 700 Seit­en starke Buch ist nicht nur in seinem Umfang, son­dern auch in seinem Inhalt gewichtig. Zwar ste­ht selb­stver­ständlich das His­torische im Vorder­grund, aber im Gespräch von Torsten Ble­ich mit Wolf­gang Rihm wird auch der Bogen in unsere Gegen­wart geschla­gen. Das Gespräch von Bet­ti­na Volks­dorf mit Thomas Hamp­son, Anja Har­teros und Chris­t­ian Thiele­mann gibt zahlre­iche Ein­blicke in die Prax­is heutiger Inter­pre­ten und wie sie die Her­aus­forderun­gen der Strauss’schen Kom­po­si­tio­nen meis­tern.
Die musikhis­torischen Beiträge stellen dem Leser eine enorme Wis­sens­fülle zum The­ma Dres­den und Strauss zur Ver­fü­gung. In der „Doku­men­ta­tion“ bieten Wolf­gang Mende und Hans-Gün­ter Otten­berg vielfältige Ein­blicke in die frühe Rezep­tion der Musik von Strauss zwis­chen 1882 und 1902. Dass die im Fak­sim­i­le abge­druck­ten Kri­tiken nur mit dem Ver­größerungs­glas gele­sen wer­den kön­nen, ist freilich eine Hürde im anson­sten leser­fre­undlich geschriebe­nen Buch. Die Liste der zwis­chen 1882 und 1902 in Dres­den aufge­führten Werke von Strauss und die ergänzte und kor­rigierte Trenner’sche Chronik der Dres­d­ner Aufen­thalte von Strauss machen das Buch zu einem hil­fre­ichen Nach­schlagew­erk. Dass hier der Briefwech­sel zwis­chen Strauss und Her­mann Kutzschbach, dem zweit­en Diri­gen­ten neben Schuch und nach dessen Tod Erster Kapellmeis­ter, ediert wird, bere­ichert den Band eben­so wie Stef­fen Lieber­wirths Text zum Briefwech­sel zwis­chen Strauss und Fritz Busch, dem Chefdiri­gen­ten der Sem­per­op­er von 1921 bis 1933, der die sehr unter­schiedlichen Per­sön­lichkeit­en der bei­den Musik­er spiegelt. Musik­lieb­haber wis­sen, dass Dres­den noch vor München und Wien wegen der Urauf­führun­gen sein­er meis­ten Opern die wichtig­ste „Strauss-Stadt“ ist. Die Hin­ter­gründe kön­nen sie in diesem Buch ken­nen­ler­nen. Wolf­gang Mende beschreibt die tragis­che Geschichte des Kom­pon­is­ten und Diri­gen­ten Jean Louis Nicodé und sein­er Helden­leben-Sin­fonie. Matthias Her­manns Porträt des Diri­gen­ten Ernst von Schuch spiegelt über Dres­den hin­aus das Musik­leben jen­er Zeit. Für Musik­er sind Peter Damms „Beobach­tun­gen“ in den Strauss-Orch­ester­ma­te­ri­alen auf­schlussre­ich. Eckart Haupts Recherchen zur Böhm-Flöte in Dres­den ermöglichen ein dif­feren­ziertes Bild his­torisch­er Auf­führung­sprax­is. Manuel Gervink zeigt, was „Mod­erne“ für Strauss bedeutet. Klaus Aringer unter­sucht die Rolle des „kleine(re)n Orch­esters“ und Clau­dia Heine belegt mit ihrer Beschrei­bung der „Dres­d­ner Salome-Retouchen“ die Abkehr des Kom­pon­is­ten von der „Klangek­stase“ bei der Urauf­führung. Wer sich für Strauss und Dres­den inter­essiert, muss dieses Buch lesen, bietet es doch Leses­toff und Nach­schlagewis­sen für eine lebenslange Beschäf­ti­gung.
Franzpeter Mess­mer