Giovanni Bottesini

Revolution of Bass

Dominik Wagner (Kontrabass), Jeremias Fliedl (Cello), Benjamin Schmid (Violine), Ursula Langmayr (Sopran), Can Çakmur (Klavier), Württembergisches Kammerorchester Heilbronn, Ltg. Emmanuel Tjeknavorian

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Berlin Classics
erschienen in: das Orchester 03/2022 , Seite 73

Wer ist oder war Gio­van­ni Bottesi­ni? Nur weni­gen Musik­fre­un­den wird der Name des von 1821 bis 1889 leben­den ital­ienis­chen Kom­pon­is­ten geläu­fig sein. Der in Cre­ma, Lom­bardei, geborene Sohn ein­er Musik­er­fam­i­lie war nicht nur Kom­pon­ist und Diri­gent, leit­ete sog­ar die Urauf­führung von Verdis Aida. Er zählte auch zu den in seinem Jahrhun­dert berühmten Vir­tu­osen, und dies auf dem dafür ungewöhn­lichen Kon­tra­bass. Als der zuvor an Vio­line und Bratsche aus­ge­bildete Bottesi­ni vom Vater mit 14 Jahren am Mailän­der Kon­ser­va­to­ri­um angemeldet wurde, gab es nur noch Stu­di­en­plätze für Fagott und Kon­tra­bass. Der junge Musik­er bere­it­ete sich rasch auf die Auf­nah­meprü­fung vor. Statt in sechs kon­nte er das Studi­um in vier Jahren mit einem Geld­preis abschließen. So war es ihm möglich, sich ein Instru­ment des führen­den Kon­tra­bass­bauers Car­lo Anto­nio Testore zu kaufen. Von 1840 an wurde Bottesi­ni nach Auftrit­ten an der Mailän­der Scala und bald danach in Wien ger­adezu ein Star, der in Europa und sog­ar in Ameri­ka unter­wegs war. Bottesi­ni schrieb ver­schieden­ste Werke, die Zahl der Kon­tra­bass stücke soll sich auf mehrere Dutzend belaufen.
Auf dieser CD stellt der 1997 in Wien geborene Dominik Wag­n­er – der als Cel­list begann, sich 2007 aber für den Kon­tra­bass entsch­ied, von 2009 bis 2015 an der Wiener Musiku­ni­ver­sität studierte und danach an die Musikhochschule Nürn­berg über­wech­selte – sehr vielfältige Bottesi­ni-Werke vor. Es sind drei Stücke mit Orch­ester und vier kam­mer­musikalis­che Werke. Wag­n­er, der mehrere Preise – etwa im Musik­wet­tbe­werb der ARD – gewann, trat als Solist unter anderem mit dem Sym­phonieorch­ester des Bay­erischen Rund­funks und dem WDR Sin­fonieorch­ester her­vor. Auf dieser CD ist er mit dem Würt­tem­ber­gis­chen Kam­merorch­ester Heil­bronn unter dem Diri­gen­ten Emmanuel Tjek­na­vo­rian zu hören.
Das roman­tisch getönte Konz­ert Nr. 1 begin­nt mit einem kraftvollen Orch­ester­satz. Wag­n­er set­zt beim Solopart mit Präsenz und sicherem Zugriff ein. Ein nicht informiert­er Hör­er kön­nte den Klang eines Cel­los ver­muten, da der Solist mit sehr kul­tiviertem Ton die hohen Lagen erschließt. Er überzeugt in ein­er vir­tu­osen Kadenz gegen Ende des Kopf­satzes. Das Andante entwick­elt er ziel­stre­big zu ein­er erzäh­len­den Bal­lade, in welch­er der Bass der Wort­führer ist. Ein schmis­sig-opti­mistis­ches Finale run­det das Konz­ert ab.
Große Anerken­nung gebührt Dominik Wag­n­er für seine wohlabge­wo­ge­nen und stim­mi­gen Arrange­ments der bei­den Stücke mit dem Titel Gran Duo Con­cer­tant, Let­zteres auf The­men aus Vin­cen­zo Belli­nis Oper I Puri­tani. In den Auf­nah­men dieser Arrange­ments glänzt der Kon­tra­bassist neben seinen Solopart­nern Ben­jamin Schmid (Vio­line) und Jere­mias Fliedl (Cel­lo). Bei zwei Liedern mit der per­fekt sin­gen­den Sopranistin Ursu­la Lang­mayr eben­so wie in zwei Duos am Ende der CD mit dem Pianis­ten Can Çak­mur erweist sich der Kon­tra­bassist als ein­fühlsamer Kammermusiker.
Gün­ter Buhles