Flotow, Friedrich von / Jacques Offenbach

Rêveries. Sechs Melodien für Klavier und Violoncello

hg. von Reinhard Wulfhorst, Partitur und Stimme

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Edition Massonneau, Schwerin 2014
erschienen in: das Orchester 07-08/2015 , Seite 70

Kopro­duk­tio­nen unter Kom­pon­is­ten sind sel­ten, eine „musikhis­torische Rar­ität“, so Her­aus­ge­ber Rein­hard Wulfhorst im zweis­prachi­gen Vor­wort zur neuen Aus­gabe der Sechs Melo­di­en für Vio­lon­cel­lo und Klavier von Friedrich von Flo­tow und Jacques Offen­bach. Und kaum bekan­nt ist, dass sich mit diesen kleineren, roman­tisch geprägten Salon­stück­en eine mehrjährige Fre­und­schaft zwis­chen den bei­den Opernkom­pon­is­ten entwick­elte.
Sie hat­ten sich, wie Flo­tow in seinen Erin­nerun­gen aus meinem Leben schreibt, im Paris der 1830er Jahre ken­nen gel­ernt. Er stand damals dem jun­gen Kol­le­gen mit Rat und Tat zur Seite und zeigte ihm, wie er mit „wenig zeitrauben­der Weise als streb­samer Kün­stler sich in Paris leicht erhal­ten“ könne und ihm trotz­dem hin­re­ichend Zeit bliebe, „seine Stu­di­en fortzuset­zen und sich zu ver­vol­lkomm­nen“. Und so wollte Flo­tow ihn zu ein­er Soiree in einem Paris­er Salon mit ein­er kleinen Auswahl an Stück­en mit­nehmen. Jedoch war Offen­bachs Reper­toire zu klein, das nur „aus eini­gen lan­gen Konzert=Stücken von Romberg“ bestand. Bei­de kamen übere­in, dass sie etwas kom­ponieren soll­ten, was ihrem Zweck entsprach. „So ent­standen sehr kleine Melo­di­en für Vio­lon­cel­lo und Piano, die wir in der Folge wohl mehr als hun­dert mal in den Paris­er Salons wieder­holen mußten.“
Ins­ge­samt waren es zwölf Melo­di­en, mit denen die bei­den seit 1838 erfol­gre­ich auf­trat­en und die sie in zwei Fol­gen her­aus­gaben. Wer welchen Part der Gemein­schaft­spro­duk­tion beis­teuerte, ist nicht klar, aber die Ver­mu­tung sei nahe­liegend, so Wulfhorst, „dass die bei­den zunächst für ihre jew­eilige Stimme ‚zuständig‘ waren. Das Lob Flo­tows über die Melodieerfind­ung Offen­bachs spricht dafür, dass der Cel­list in der Regel einen the­ma­tis­chen Ein­fall präsen­tierte und Flo­tow als ver­siert­er Pianist den Klavier­part beis­teuert.“ Dabei ist die Klavier­stimme nicht nur Begleit­stimme, son­dern es gehen von ihr auch entschei­dende, musikalis­che Impulse aus und sie lässt sich sog­ar „vom Cel­lo begleit­en“.
Während die Chant du soir – so die erste Folge – bere­its 1995 neu her­auskam, fol­gten nun als Neuaus­gabe die Träumereien (Rêver­ies), welche der Schw­er­iner Ver­lag Edi­tion Mas­son­neau Ende ver­gan­genen Jahres veröf­fentlichte. Die her­vor­ra­gend aus­ges­tat­tete Aus­gabe lässt für den Prak­tik­er wohl kaum einen Wun­sch offen. Obwohl die Edi­tion Mas­son­neau viel Wert auf Genauigkeit des Noten­textes auf der Grund­lage der Hand­schrift legt, musste dem Ver­lag den bei Bosworth & Co. in Leipzig erschiene­nen Druck genü­gen, da das Auto­graf als ver­loren gilt.
Genaueres nach­le­sen kann der inter­essierte Musik­er indes nur auf der Home­page www.edition-massonneau.de in einem geson­derten Edi­tions­bericht, da ein Kri­tis­ch­er Bericht in der gedruck­ten Aus­gabe fehlt: Das Erschei­n­ungs­da­tum der ver­schiede­nen Aus­gaben sei dem­nach nicht exakt bes­timm­bar, son­dern lediglich etwa um das Jahr 1845 einzu­gren­zen. Es fol­gen her­nach noch fünf Seit­en Einzel­nach­weise, was der Her­aus­ge­ber sowohl in der Cel­lo- als auch in der Klavier­stimme verän­derte.
Wern­er Boden­dorff