Teodulo Mabellini

Requiem

c-Moll mit Libera me, Domine in f-Moll für Solostimmen, Chor und großes Orchester, Erstausgabe

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Dohr
erschienen in: das Orchester 02/2019 , Seite 62

Der heute fast vergessene Teo­du­lo Mabelli­ni (1817–1897) fand vor etwa vierzig Jahren eher zufäl­lige Beach­tung, als das Noten­ma­te­r­i­al der Mes­sa per Rossi­ni wieder­ent­deckt und aufge­führt wurde, eine von Ver­di ini­ti­ierte Gemein­schaft­skom­po­si­tion von 13 ital­ienis­chen Kom­pon­is­ten, die zum ersten Todestag Rossi­nis im Novem­ber 1869 aufge­führt wer­den sollte, was dann aber nicht zus­tande kam. Mabelli­nis Beitrag hierzu war das Lux aeter­na. Eine sein­er frühen erfol­gre­ichen Opern war Rol­la, über deren Melo­di­en Carl Czerny eine Fan­tasie ver­fasste.
1848 wurde Mabelli­ni Hofkapellmeis­ter, dann auch Operndiri­gent in Flo­renz, wo er für seine Auf­führun­gen der Wiener Klas­sik­er große Anerken­nung fand. Neben eini­gen weit­eren Opern kom­ponierte er vor allem Kirchen­musik. Die Urauf­führung seines Requiems fand im März 1851 in Anwe­sen­heit von Rossi­ni statt, der im Anschluss zu Mabelli­ni gesagt haben soll, dieses Werk sei für Ital­ien das, was Mozarts Requiem für Deutsch­land sei. Der Kri­tik­er Fétis stellte fest, Mabelli­ni sei ein­er der weni­gen ital­ienis­chen Meis­ter, die noch die guten Tra­di­tio­nen bewahren, eine „musique sérieuse“ zu schreiben. Damit ist ein wesentlich­es Charak­ter­is­tikum sein­er Musik angedeutet, näm­lich die Vor­liebe für den Kon­tra­punkt, den er, anders als die meis­ten sein­er Land­sleute, wie eine „Mut­ter­sprache“ beherrschte, und den er in eine meis­ter­hafte Instru­men­ta­tion klei­dete, die niemals die Trans­parenz gefährdet.
Das 1856 kom­ponierte Lib­era me, ein Satz ohne eigen­ständi­ge litur­gis­che Funk­tion, ist trotz der größeren Beset­zung ein optionaler Anhang zum Requiem. Vier konz­ertierende Män­ner­stim­men, eine solis­tis­che Bassklar­inette, je zwei zusät­zliche Fagotte und Trompe­ten, ein Tam­tam sowie vielfach geteilte Stre­ich­er bilden einen deut­lichen klan­glichen Kon­trast zum Requiem. Die Soli für Sopran und Alt sind wenig exponiert, weil bei ein­er kirch­lichen Auf­führung nur Knaben­stim­men einge­set­zt wer­den durften. 1879/80 kom­ponierte Mabelli­ni je eine alter­na­tive Arie für Sopran und Mez­zoso­pran nach, die „in occa­sione di Con­cer­to“ einzuset­zen sind. Die Neu­veröf­fentlichung dieser Arien ist vom gle­ichen Ver­lag angekündigt.
Die vor­liegende Neuaus­gabe greift auf das Auto­graf zurück, wobei die Par­ti­tur­dis­po­si­tion und die Schlüs­sel den heuti­gen Gepflo­gen­heit­en angepasst sind. Der im Erst­druck unter­legte Orge­lauszug ist wegge­lassen. Die zahlre­ichen Diskrepanzen zwis­chen Auto­graf und Erst­druck sind im umfan­gre­ichen Kri­tis­chen Bericht doku­men­tiert. Ein ger­adezu ausufer­n­der Beitrag zu Leben und Werk des Kom­pon­is­ten find­et sich im Nach­wort, das mit ein­er Über­fülle von Fak­ten den Blick auf das Wesentliche ver­liert. Der com­put­er­gener­ierte Noten­satz mit seinen eng ras­tri­erten Zeilen bei gle­ichzeit­ig großem Zwis­chen­raum macht das Par­ti­turlesen sehr müh­sam. Wenn das Stim­men­ma­te­r­i­al und der Klavier­auszug ver­füg­bar sein wer­den, ist ein lohnen­des Werk wiederzuent­deck­en.
Jür­gen Hinz