Goepfart, Karl Eduard

Quartett d-Moll

für Flöte, Oboe, Klarinette und Fagott op. 93, Partitur und Stimmen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Accolade, Warngau 2016
erschienen in: das Orchester 01/2017 , Seite 62

Ein langes Leben war dem wei­thin unbekan­nten Kom­pon­is­ten Karl Eduard Goep­fart – nicht zu ver­wech­seln mit Carl Andreas Goepfert – beschieden, der 1859 in der Nähe von Erfurt geboren wurde und zunächst von seinem Vater musikalisch unter­wiesen wurde. Die Pianis­ten­lauf­bahn beschre­i­t­end führte sein Weg kurzfristig über den großen Teich nach Bal­ti­more, dann aber wieder zurück nach Weimar, wo er Schüler von Franz Liszt wurde. Später war er vornehm­lich als Diri­gent und Chor­leit­er tätig. Er lebte und wirk­te viele Jahre in Pots­dam und starb mit 82 Jahren in Weimar.
Von seinen etwa ein­hun­dert Kom­po­si­tio­nen sind heute noch einige Kam­mer­musik­w­erke zugänglich: ein Trio für zwei Vio­li­nen und Vio­la, das Trio für Flöte, Oboe und Klavier, ein weit­eres Trio für Klar­inette, Fagott und Klavier und das hier vor­liegende Quar­tett d-Moll für Flöte, Oboe, Klar­inette und Fagott op. 93, das erst­mals 1907 gedruckt wurde und jet­zt bei dem um musikalis­che Rar­itäten bemüht­en Acco­lade-Ver­lag im sorgfälti­gen Neu­druck von Bodo Koenigs­beck her­aus­gegeben wurde.
Der erste, motivisch dicht gear­beit­ete Satz des dreisätzi­gen Quar­tetts für Holzbläs­er trägt die Beze­ich­nung Alle­gro riso­lu­to, begin­nt aber mit einem eher ver­hal­ten wirk­enden The­ma. Das zweite The­ma ist nicht nur melodisch, son­dern auch durch seine geschlossenere Set­zweise kon­trastierend, während das erste The­ma, das auch die Durch­führung bes­timmt, dem imi­ta­torischen Spiel Raum gibt. Das fol­gende Scher­zo wird von paar­weisem Wech­sel­spiel mit Echoef­fek­ten im Stac­catis­si­mo geprägt. Der dritte Satz Alle­gro vivo, con bravuro ist ein Fugen­satz mit einem markan­ten Fugen­the­ma mit anapästisch vorantreiben­dem Rhyth­mus. Er zeigt, dass der Kom­pon­ist auch das kon­tra­punk­tis­che Handw­erk sich­er beherrscht. Die for­malen Abläufe sind wie in den anderen Sätzen sehr über­sichtlich gestal­tet, indem die Zwis­chen­spiele durch ein ruhigeres Tem­po und Tri­olen­fig­uren abge­set­zt wer­den. Nicht ganz gelun­gen erscheint die Architek­tonik des Satzes, da das als Höhep­unkt wirk­ende Unisono des Fugen­the­mas zweimal erscheint.
Goep­farts Ton­sprache nimmt nicht die har­monis­chen Errun­gen­schaften sein­er Zeit auf und ist nicht roman­tisch ausufer­nd. Das Klang­bild ist ins­ge­samt sehr durch­sichtig. Das Quar­tett ist eine sehr aus­ge­wo­gene Kom­po­si­tion, deren tech­nis­che und musikalis­che Anforderun­gen auch von ambi­tion­ierten Laienensem­bles zu bewälti­gen sind. Die Spiel­d­auer beträgt etwa 13 Minuten. Gut geeignet ist die Kom­po­si­tion für den „Jugend musiziert“-Ensemblewettbewerb, da Goep­fart unter anderem die beteiligten Instru­mente gle­ichgewichtig ein­set­zt.
Herib­ert Haase