Günter Buhles

Prisma

Concerto for alto saxophone and orchestra, Lee Konitz (Saxofon), Brandenburgisches Staatsorchester, Ltg. Christoph Campestrini

Rubrik: CDs
Verlag/Label: QFTF/040
erschienen in: das Orchester 02/2019 , Seite 68

Als Kom­pon­ist außer­halb des Zirkels großer Namen muss man froh sein, wenn man ein Orch­ester für eine Urauf­führung find­et. Der Musikjour­nal­ist Gün­ter Buh­les, der unter anderem auch für das Orch­ester schreibt, kon­nte sich im Jahr 2000 glück­lich schätzen, dass das Bran­den­bur­gis­che Staat­sor­ch­ester Frank­furt sein für den Alt­sax­o­fon­is­ten Lee Ko­nitz kom­poniertes Konz­ert Pris­ma urauf­führte, wen­ngle­ich das 17-minütige Werk mehr hergeben kön­nte, als die Bran­den­burg­er unter ihrem Diri­gen­ten Christoph Campestri­ni boten. Ihnen fehlt bei der mit zwei Mikro­fo­nen ange­fer­tigten Konz­ert­doku­men­ta­tion die rhyth­mis­che und klan­gliche Präzi­sion, um gle­ich­w­er­tig mit Konitz’ Solo zu beste­hen.
Buh­les, der sich schon in Artikeln (siehe das Orch­ester 10/2017) mit Cross-over-Werken für Sin­fonie- oder Kam­merorch­ester und Jazz befasst hat, ken­nt die Tück­en dieser Begeg­nun­gen und find­et Lösun­gen, wo andere scheit­erten. So kom­poniert er – im Gegen­satz zu vie­len anderen – das Orch­ester als Klangkör­p­er, der nicht nur einen wohlig unter­mal­en­den Unter­grund für den Jaz­zsolis­ten bere­it­et, son­dern mit diesem kor­re­spondiert, dessen Lin­ien­führung auf­greift, sie übern­immt, kom­men­tiert und die klan­glichen Möglichkeit­en der Großbe­set­zung mit Stre­ich­ern, Holz- und Blech­bläsern für unter­schiedliche Fär­bun­gen nutzt.
Die Anlage der Orch­ester­stim­men ver­rät, dass er sich inten­siv mit den Eigen­heit­en des Jaz­zsax­o­fon­is­ten Konitz befasst hat. Seine Kom­po­si­tion kor­re­spondiert mit der Konitz-typ­is­chen Dynamik, sein­er Vor­liebe für den Kon­trast aus klar­er Lin­ien­führung und Schnörkeln sowie Konitz’ Ten­denz, eine Lin­ie kurz zu unter­brechen und dann fortzuführen. So wech­seln bere­its in den ersten Tak­ten des Alle­gro helle Bewe­gun­gen und dun­kle Stre­ich­er als Vorah­nung dessen, was Konitz beitra­gen wird; der weit­ere Fort­gang dieses Satzes bringt Par­al­lelführun­gen und Dialog­mo­mente sowie knappe Grundierun­gen.
Das Ada­gio geht von den vom tiefen Blech auf­steigen­den Stre­icher­fig­uren aus und führt sie in kip­pende Klangflächen, über die sich das Alt­sax­o­fon erhebt. Auch hier schafft Buh­les mit eigen­ständi­gen Orch­ester­be­we­gun­gen Kon­traste, die allerd­ings von den Bran­den­burg­ern nicht sauber aus­gekostet wer­den.
Ähn­lich dif­feren­ziert wie in den bish­eri­gen Sätzen ver­schränkt Buh­les im Scher­zo Solist und Orch­ester ineinan­der, wobei er hier stärk­er auf Per­cus­sion und rhyth­mis­che Kon­traste set­zt. Ein Dia­log von Klavier und Sax­o­fon leit­et das abschließende Alle­gro Molto – Alle­gret­to ein. Es vere­int starke rhyth­mis­che Bewe­gun­gen mit einem mehrstim­mi­gen, an Film­musiken erin­nern­den Orch­ester­satz, in den Buh­les Konitz’ Sax­o­fon ele­gant ein­bet­tet.
Die fol­gen­den drei Duette von Konitz und dem Pianis­ten Frank Wun­sch über Konitz’ eigenes The­ma Thin­gin’, Frank Wun­schs Joana’s Waltz und der Jaz­z­s­tan­dard Body And Soul ergänzen die CD auf eine Gesamt­spielzeit von 34 Minuten. Buh­les wäre es zu gön­nen, wenn sich auf Grund­lage der vor 18 Jahren einge­spiel­ten Auf­nahme weit­ere Orch­ester für das Werk inter­essieren und es auf­führen.
Wern­er Stiefele