Christiane Plank-Baldauf (Hg.)

Praxishandbuch Musiktheater für junges Publikum

Konzepte – Entwicklungen – Herausforderungen

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Metzler/Bärenreiter/Springer
erschienen in: das Orchester 09/2020 , Seite 85

Musiktheater für junges Publikum hat sich in den vergangenen 30 Jahren parallel zum Kinder- und Jugendtheater kontinuierlich weiterentwickelt; in den Stadt- und Staatstheatern ebenso wie in der Freien Szene und nicht nur in Deutschland, sondern in vielen europäischen Ländern. Neue Formate sind entstanden, von kleinen mobilen Produktionen bis hin zu Stücken für die große Bühne, vom szenischen Konzert bis zum partizipativen Mitmachtheater oder der Tanzperformance, begleitet vom großen Orchester. Parallel dazu haben sich auch die Macher immer stärker vernetzt und auf verschiedenen Plattformen und Veranstaltungen über aktuelle Entwicklungen ausgetauscht. Viele Produktionen, die auf diese Weise entstanden sind, das in ihnen gebündelte Kreativpotenzial, aber auch die gemachten Erfahrungen und Fortschritte sind am Ende flüchtige Produkte. Umso löblicher ist es, dass das “Praxishandbuch” eine Fülle von Produktionen, Entwicklungen und Erfahrungen für die Nachwelt dokumentiert und erlebbar macht. Gemeinsam mit der Herausgeberin haben sich weitere 15 Autoren mit ihren Fachbeiträgen eingebracht. Christiane Plank-Baldauf hat das Buch in sieben Kapitel eingeteilt. In einer Standortbestimmung geht es zunächst um einen Überblick über die Entwicklung und aktuelle Lage des Musiktheaters für Kinder, um das Repertoire und dessen Erweiterung, Stückentwicklung, Kosten und Produktionsabläufe sowie um den Einfluss des gesellschaftlichen Wandels und die kulturpolitische Verortung. Das zweite Kapitel befasst sich mit Produktionsstrukturen und -ästhetiken in institutionell geförderten Einrichtungen und der freien Szene. Zwei Werkstattberichte befassen sich mit dem Thema Komponieren für Kinder und Experimenten und Klanggestaltung mit Kindern und Jugendlichen. Besonders instruktiv sind konkrete Vorschläge für einzelne Übungen zur Klangentwicklung. Im Kapitel „Theater der Wahrnehmung“ werden Musiktheateransätze, besondere Anforderungen, Raumsituationen und musizierende Akteure vor allem bei Kleinkindern als Zielgruppe behandelt. Im Kapitel „Über Grenzen“ werden die Herausforderungen der Interkultur, Diversität, Migration und Aufnahme von Geflüchteten seit 2015 für junges Musiktheater behandelt, im Kapitel „Aktionsräume“ die Spiel- und Produktionsstätten, die räumlichen Voraussetzungen und Gegebenheiten für Akteure und Publikum näher beleuchtet. Das letzte Kapitel befasst sich mit verschiedenen Aspekten von Vermittlung und Pädagogik für Kinder und Jugendliche, aber auch für Eltern, Lehrkräfte und Erzieher. Das Handbuch ist reich bebildert, übersichtlich gegliedert und vor allem mit zahlreichen Internetquellen und Videolinks versehen. Diese machen es dem Leser einfach, tiefer zu recherchieren und Produktionsmitschnitte anzuschauen. Abschließende Personen- und Werkregister machen das Handbuch zu einer sehr wertvollen Rechercheund Planungshilfe für alle, die im Musiktheater für junges Publikum Verantwortung tragen.

Gerald Mertens