Andreas N. Tarkmann/ Johannes Kohlmann

Praktische Instrumentenkunde

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Bärenreiter, Kassel
erschienen in: das Orchester 07-08/2018 , Seite 55

Angesichts der viele Dutzend Regal­me­ter fül­len­den Instru­menten­führer kön­nte man den Ein­druck gewin­nen, dass das vor­liegende Buch eigentlich gar nicht hätte geschrieben wer­den müssen. Ein Irrtum, denn schon beim ersten, kurzen Blick in Andreas Tark­manns und Johannes Kohlmanns Zusam­men­stel­lung im Taschen­buch­for­mat wird klar, welch offen­sichtliche Lücke hier gefüllt wird. Herkömm­liche Instru­menten­führer haben – auch wenn sie im Titel bisweilen das Gegen­teil behaupten – kaum etwas mit Prax­is zu tun, son­dern stellen die Geschichte mehr oder weniger aktueller Instru­mente, deren Sys­tem­atik und manch­mal deren Ein­satz im klas­sis­chen Orch­ester dar. Ganz anders Tark­mann und sein ehe­ma­liger Stu­dent, jet­ziger Mitar­beit­er und Co-Autor Kohlmann.
Andreas Tark­mann hat als Hochschullehrer für Instru­men­ta­tion und Instru­mentenkunde täglich mit der dargestell­ten Materie zu tun. Viel wichtiger ist allerd­ings, dass er sich bei sein­er Tätigkeit als Kom­pon­ist und vor allem als renom­miert­er Arrangeur mit den „prak­tis­chen“ Seit­en der Instru­men­ta­tion beschäftigt. In gängi­gen Lexi­ka sucht man meist verge­blich Beschrei­bun­gen der klan­glichen Charak­ter­is­tik der Instru­mente und find­et kaum je Hin­weise, wie sich diese Instru­mente effek­tvoll ein­set­zen und mit welchen Spiel­tech­niken am vorteil­haftesten darstellen lassen. Tark­mann und Kohlmann dage­gen zie­len genau auf diese Aspek­te ab: Hier wird aufgezeigt, welche Stre­ichin­stru­mente sich eher für ein kanta­bles Spiel eignen und bei welchen man bess­er auf Dop­pel­griffe verzichtet. Eben­so prax­is­tauglich sind die klan­glichen und spiel­tech­nis­chen Eigen­schaften aller anderen Instru­menten­grup­pen auf­bere­it­et, allen voran die der Blasin­stru­mente: Bei den bei­den Autoren geht kein wichtiges Detail zu Flat­terzunge, Tremo­lo, Glis­san­do oder Dynamik ver­loren.
Auf jew­eils zwei gegenüber­liegen­den Seit­en rei­hen Tark­mann und Kohlmann rund 120 Instru­mente auf. Dabei wur­den alle gängi­gen Vertreter im großen Sin­fonieorch­ester eben­so berück­sichtigt wie Barock­in­stru­mente und Klangerzeuger aus der Volks- und Unter­hal­tungsmusik. Durchgängig bieten die wiederkehren­den Rubriken wie Stim­mung und Nota­tion, Ton­um­fang, Klang und Spiel­tech­nik Antworten auf fast alle prax­is­rel­e­van­ten Fragestel­lun­gen. Abgerun­det wird die Darstel­lung durch Hin­weise zur Sys­tem­atik bzw. zur über­ge­ord­neten Instru­menten­gruppe, durch ein knappes, aber immer charak­ter­is­tis­ches Noten­beispiel, eine Liste typ­is­ch­er Orch­ester­stellen und eine Zusam­men­stel­lung wichtiger Solow­erke für das jew­eilige Instru­ment.
Wer sich als Arrangeur, Diri­gent oder Musik­lehrer beru­flich mit Instru­menten beschäftigt, wird bei Andreas Tark­mann und Johannes Kohlmann auf 240 Seit­en alles Wis­senswerte zu Heck­elphon, Bas­set­thorn oder Eupho­ni­um find­en. Aber auch wer immer schon die Frage nach dem Unter­schied zwis­chen Akko­rdeon und Ban­do­neon beant­wortet haben wollte, ist bei den bei­den Autoren bestens aufge­hoben.
Daniel Knödler