Mathias Husmann

Präludien fürs Publikum II

99 weitere Konzert- und Opern­einführungen in aller Kürze

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Concerti
erschienen in: das Orchester 07-08/2019 , Seite 60

Was für ein mutiges Unter­fan­gen, dem Leser Opern und sin­fonis­che Werke „in aller Kürze“ vorzustellen! Die Rede ist bekan­ntlich von Musik, die schon mal gut auf eine, zwei oder sog­ar drei Stun­den Spielzeit kom­men kann. Das vor­liegende Büch­lein hält wahrlich, was es ver­spricht. Jede Kom­po­si­tion wird auf exakt zwei Seit­en – wohlge­merkt im DIN A6-For­mat – besprochen. Dass die Texte dabei nicht nur an der Ober­fläche kratzen, son­dern einen viel tiefer­ge­hen­den und per­sön­lichen Ein­blick in die einzel­nen Werke ermöglichen, ist sich­er der hohen Schreibkun­st des Autors zuzuweisen.

Der Diri­gent, Pianist und Kom­pon­ist Math­ias Hus­mann kann auf fast 50 Jahre Erfahrung als Inter­pret von sin­fonis­chen Werken, Kam­mer­musik und mehr als 120 Opern zurück­blick­en. Er arbeit­ete mit zahlre­ichen renom­mierten Orch­estern wie beispiel­sweise den Ham­burg­er Phil­har­monikern, dem Deutschen Sym­phonieorch­ester Berlin und dem NHK Sym­pho­ny Orches­tra Tokyo zusam­men. Als Gen­eral­musikdi­rek­tor war er unter anderem am Staat­sthe­ater Darm­stadt und am Nation­althe­ater Mannheim tätig.

Die vor­liegende Pub­lika­tion ist auf Anre­gung von und für con­cer­ti ver­fasst, einem unab­hängi­gen Ver­lag, der monatlich das gle­ich­namige Konz­ert- & Opern­magazin her­aus­gibt. Die Veröf­fentlichung ist eine Fort­set­zung des im Früh­jahr 2017 erschiene­nen Ban­des Prälu­di­en fürs Pub­likum. Sie bietet unter anderem Ein­blick in die Pas­sio­nen Bachs, in die fünf Klavierkonz­erte Beethovens, in sin­fonis­che Werke von Dvořák und Mahler und die zwei Opern von Alban Berg – um nur einige von ins­ge­samt 99 in diesem Buch ver­sam­melten Werken zu nen­nen. In jed­er Kurzbeschrei­bung ord­net Math­ias Hus­mann das jew­eilige Werk in den zeitgeschicht­lichen Kon­text bzw. den biografis­chen Hin­ter­grund des Kom­pon­is­ten ein und erläutert die Hand­lung bzw. den dra­matur­gis­chen Ver­lauf der Musik.

Die eigentliche Kun­st des Autors liegt dabei aber nicht nur darin, sich auf­grund der vorgegebe­nen Kürze auf die wesentlichen und inter­es­san­ten Infor­ma­tio­nen zu beschränken. Wahrlich auf­schlussre­ich, anre­gend und unter­halt­sam würzt Hus­mann die musik­be­zo­ge­nen Fak­ten mit seinem eige­nen Blick und seinen per­sön­lichen Erfahrun­gen. Aus diesem Grund kön­nen die Prälu­di­en fürs Pub­likum II sowohl für ver­sierte Konz­ert- und Opernbe­such­er als auch für ungeübte Musikhör­er bere­ich­ernd sein. Der Autor lädt ein, wohlbekan­nte Werke aus ein­er anderen Perspek­tive zu betra­cht­en, und weckt die Neugierde auf weniger ver­traute Kom­po­si­tio­nen.

Die Hingabe des Autors zur Musik und sein Respekt gegenüber den Werken ist in jed­er Zeile spür­bar. Nicht zulet­zt sei erwäh­nt, dass das Büch­lein auch durch ein sehr über­sichtlich­es Lay­out besticht. Ein beson­deres visuelles Schmankerl sind die einge­fügten Zeich­nun­gen, die Szenen aus aus­gewählten Werken zeigen. Sie stam­men aus der Fed­er von Fritz Hus­mann, dem Vater des Autors, der mehr als 700 kün­st­lerische Zeich­nun­gen aus Oper, Schaus­piel und Tanzthe­ater schuf.

Cori­na Nas­toll