Garth Knox

Pocket Concerto

für Viola mit Violoncello, Partitur und Stimmen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott
erschienen in: das Orchester 02/2021 , Seite 65

Der 1956 geborene irisch-schot­tis­che Musik­er Garth Knox legt mit seinem Pock­et Con­cer­to ein Bratschenkonz­ert vor, das sich von den üblichen Solokonz­erten völ­lig unter­schei­det: Statt durch ein Orch­ester wird das Soloin­stru­ment durch ein einzelnes Cel­lo begleit­et. Wie der Kom­pon­ist, der selb­st ein renom­miert­er Bratschist ist und auf eine lange inter­na­tionale Kar­riere zurück­blick­en kann, in seinem Vor­wort betont, han­delt es sich nicht um ein kam­mer­musikalis­ches Duo, son­dern um ein solis­tis­ches Konz­ert für die Bratsche. Der Cel­lopart ist nicht „gle­ich­berechtigt“, son­dern beglei­t­end angelegt. Die Bratsche soll konz­er­tant solis­tisch dominieren.
Warum ein Pock­et Con­cer­to? Im Vor­wort erläutert der Kom­pon­ist seine Absicht: Die Bratsche ste­ht im großen Orch­ester auf­grund ihrer klan­glichen Eigen­heit­en vor einem Bal­an­ceprob­lem. In klein­er Beset­zung beste­he eine größere Chance, die „inti­men Qual­itäten“ des Instru­ments bess­er „her­auszus­tre­ichen“. Nun, das wäre sich­er auch in klein­er kam­mer­musikalis­ch­er Orch­esterbe­set­zung möglich gewe­sen, aber es bleibt ein inter­es­santes und reizvolles klan­glich­es Exper­i­ment. Als weit­eren Aspekt führt der Kom­pon­ist die leichtere Real­i­sa­tion­s­möglichkeit ein­er so kleinen Beset­zung ger­ade bei jun­gen Spiel­ern an.
Der erste Satz des Konz­erts trägt den Titel „Hom­mage to Hin­demith“, gewid­met also einem Kom­pon­is­ten, der – selb­st Bratsch­er – sich um dieses Instru­ment sehr ver­di­ent gemacht hat. Der Satz ist nicht in der Ton­sprache Hin­demiths geschrieben, aber die Klang­sprache, Motivik und rhyth­mis­che Anlage erin­nert sehr an dessen Musik. Knox rekur­ri­ert aus­drück­lich auf den ersten Satz des Schwa­nen­drehers. Nach ein­er freien, langsamen und kaden­zieren­den Ein­leitung mit Fla­geo­lett-Glis­san­di fol­gt ein Alle­gro-Teil, nun doch duoar­tig mit dem Cel­lopart verzah­nt. Der Satz endet mit ein­er zwölf­tak­ti­gen vir­tu­osen stret­taar­ti­gen Steigerung.
Der zweite Satz „Song from the sea“ ist inspiri­ert von der irischen Leg­ende ein­er Feen­musik auf dem Meer, deren Melodie heute noch in Irland gespielt wird. Die Melodie wird nicht ver­wen­det, dafür die Idee des Auf­scheinens ein­er Melodie aus dem Dun­st und den Nebeln der See. Ich halte dies für gelun­gen, denn beim Anhören des Stücks taucht­en auf­grund des Titels genau diese Vorstel­lun­gen bei mir auf, ohne vorher den erläutern­den Text gele­sen zu haben.
Der dritte Satz „Airish Vari­a­tions“ ver­wen­det in drei Vari­a­tio­nen drei bekan­nte irische Melo­di­en, jede durch stre­icherische Spiel­tech­niken charak­ter­isiert, wie Sul Pon­ti­cel­lo, Fla­geo­lett und Pizzi­cati. Der dritte Satz bietet die Möglichkeit für eine impro­visierte Kadenz und schließt mit einem aus­ge­lasse­nen Tanz, bei dem das Cel­lo nur noch eine beglei­t­ende Funk­tion hat.
Die Note­naus­gabe beste­ht aus ein­er großen Lesep­a­r­ti­tur und zwei Einzel­stim­men, bei­de trotz des noten­re­ichen Schrift­bildes gut les­bar.
Uwe Gäb