Peter Tschaikowsky

Pique Dame

The Israel Philharmonic Orchestra, Ltg. Vladimir Jurowski

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Helicon
erschienen in: das Orchester 11/2018 , Seite 74

Ich schrieb Pique Dame
mit uner­hörtem Feuer […]; mit schmer­zlich­er Anteil­nahme durch­lebte ich immer wieder die gesamte Opern­hand­lung. Das ging so weit, dass ich eine zeit­lang befürchtete, das Gespenst der Pique Dame könn­te mir erscheinen“, so Tschaikowsky an Romanov 1890. Es man­gelt zwar wed­er an guten alten noch an span­nen­den neuen Auf­nah­men dieser Oper, die Tschaikowsky nach eigen­em Bekun­den mehr am Herzen lag als sein One­gin. Trotz­dem bietet Pique Dame immer wieder das ganze Spek­trum von inter­es­san­ten Rol­len­porträts. Bei der vor­liegen­den CD han­delt es sich um Livemitschnitte von Konz­erten des Israel Phil­har­mon­ic Orches­tra aus Tel Aviv aus dem Jahr 2012, die Heli­con Clas­sics, das hau­seigene Label, 2015 veröf­fentlicht hat­te.
Die Beset­zung der Män­nerrollen ist durch­weg hörenswert. Sergej Leifer­kus ist ohne­hin eine Leg­ende – die Par­tie des Tom­sky, auch auf anderen Ein­spielun­gen doku­men­tiert, war eine sein­er Paraderollen. Oleg Kulko als Her­mann ist seit über 20 Jahren Mit­glied des Bolschoi-Ensem­bles und weltweit gefragt. Albert Schagidullin, ein­er der pro­fil­iertesten Sänger im Bari­ton­fach, singt den Jelitzky (und seine Arie im 2. Akt sehr schön), und Viach­eslav Voy­narovskiy ist als Chekalin­sky zu hören.
Puschkins Nov­el­le hat­te Tschai­kowskys Brud­er zum Libret­to umgear­beit­et. Die alte Gräfin hütet das Geheim­nis dreier Karten. Diese brächt­en Reich­tum, ihr aber auch den Tod. Ver­woben darin ist die tragis­che Geschichte von Her­mann und Lisa. Lisa, Enke­lin der Gräfin, ist mit Jelitzky ver­lobt, ent­flammt aber für den jun­gen und eher mit­tel­losen Offizier Her­mann. Die Par­tie der Gräfin ist eine der inter­es­san­testen Charak­ter­rollen der Opern­lit­er­atur, und Nina Romano­va, ein­er der großen Mez­zoso­pranistin­nen der 1980er und 1990er Jahre, gestal­tet sie eher mit Schön­klang als mit dem oft so schön-schauer­lichen Hauch von fahlen und gespen­stis­chen Klän­gen. In der Rolle der Lisa gibt es überzeu­gen­dere Ver­sio­nen als die solide von Kari­na Flo­res.
Der Chor ist in Pique Dame nicht so promi­nent wie im One­gin. Dem Gary Berti­ni Choir, dem Konz­ertchor des Israel Phil­har­mon­ic Orches­tra, fehlt vielle­icht etwas der opern­typ­is­che Klangsinn. Vor allem die Chor­pas­sagen zu Beginn klin­gen, als wären die Mikro­fone sehr nah an den Sän­gerin­nen und Sängern posi­tion­iert gewe­sen. Damit wirken die Stim­men dort vere­inzelt, wo es eines homo­generen Chork­langs bedürfte.
Tschaikowsky ver­legt Puschkins Hand­lung ans Ende des 18. Jahrhun­derts, zitiert Mozart und eine Arie von Grétry. Vladimir Jurows­ki fol­gt diesen klas­sizistschen Anklän­gen. Das Orch­ester bietet dabei schöne Instru­men­tal­soli und einen feinen und durch­hör­baren Klang. Stärke hat diese Auf­nahme eher in den lyrischen Stellen. Der dritte Akt bietet dann auch drama­tis­che Verve.
Im Book­let find­et man zwar nicht das Libret­to, aber einen lesenswerten Text zur Oper und aus­führliche Infor­ma­tio­nen zu den Mitwirk­enden.
Ger­not Woj­narow­icz