César Franck

Piano Works/Quintet

Michel Dalberto (Klavier), Novus Quartet

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Aparte AP203
erschienen in: das Orchester 07-08/2019 , Seite 73

Es gibt nicht wenige Kom­pon­is­ten, deren umfan­gre­ich­es Werk im Konzertleben auf eine sehr schmale Auswahl ges­tutzt wird. Zu ihnen gehören z. B. Max Bruch, Gus­tav Holst oder eben auch César Franck, von dem fast nur die d-Moll-Sin­fonie und die Vio­lin­sonate gespielt wer­den. Zudem ist im deutschsprachi­gen Raum die franzö­sis­che Musik ins­beson­dere der zweit­en Hälfte des 19. Jahrhun­derts rel­a­tiv wenig bekan­nt. Zwar set­zte sich Franck als Grün­der und später­er Präsi­dent der „Société nationale de musique“ für eine nation­al-franzö­sis­che Musik ein, in Abgren­zung zur deutschen, doch wäre es ger­ade für die heutige Zeit wün­schenswert, wenn sich das Inter­esse für franzö­sis­che Kom­pon­is­ten hierzu­lande ausweit­en würde.

Der Pianist Michel Dal­ber­to ist bei uns eben­falls kaum bekan­nt. Über seinen Lehrer Vla­do Per­lemuter zieht sich die Tra­di­tion­slin­ie sein­er Klavier­aus­bil­dung bis Alfred Cor­tot, was eine Kon­ti­nu­ität der Inter­pre­ta­tion­s­geschichte garantiert. Diese beschreibt Dal­ber­to anschaulich in seinem eige­nen Ein­führung­s­text im Book­let. Den Schw­er­punkt seines Reper­toires bilden franzö­sis­che Kom­pon­is­ten, neben Mozart und Schu­bert. Sein Spiel zeich­net sich durch Klarheit und Lin­ear­ität aus, ist reich an Far­ben, Aus­brüche inte­gri­ert er organ­isch in den Gesamt­fluss. Ein solch­es Herange­hen ist für die bei­den hier aufgenomme­nen großen Klavier­w­erke Francks bedeu­tend. Bei­de sind dreisätzig, sie haben jew­eils eine Dauer von ca. 20 Minuten.

Der Titel Prélude, Choral und Fugue evoziert eine Rev­erenz an Bach, doch obwohl es zitathafte Bezüge gibt wie im ein­lei­t­en­den viertöni­gen Chi­as­mus oder dem chro­ma­tis­chen Seufz­er-The­ma der Fuge, ver­fol­gt Franck eine ganz orig­inäre zyk­lis­che Formkonzep­tion. Das Fugen­the­ma erscheint schon in den Sätzen zuvor, die Fuge geht zum Charak­ter­stück und zur Toc­ca­ta über, nimmt abschließend die bei­den ­vor­ange­gan­genen Schlüsse auf. Alle drei Sätze sind nicht nur in der ­Motivik, auch der Har­monik und dem Klavier­satz vielfältig aufeinan­der bezo­gen, sie gehen ineinan­der über.

Prélude, Aria & Final zeigt eine ähn­liche Gesam­tan­lage, hier sind die Teile groß­for­matiger, das Prinzip der Fig­u­ral­vari­a­ton find­et mehrmals Anwen­dung. Das „Prélude“ begin­nt mit einem choral­haften The­ma, das im „Final“ wieder aufgenom­men wird. Die Sätze ste­hen hier eher für sich, bieten dem Inter­pre­ten aus­giebige Möglichkeit­en epis­chen Erzäh­lens, die Dal­ber­to sehr zu nutzen weiß.

In Francks Klavierquin­tett erweist er sich als her­vor­ra­gen­der Kam­mer­musik­er. Sein Zusam­men­spiel mit dem exzel­len­ten Novus Quar­tet aus Korea lässt keine Wün­sche offen. Her­vorzuheben sind die sehr dif­feren­zierte Behand­lung der Dynamik und der Klang­far­ben sowie die Zeit­gestal­tung. Das pas­torale „Prélude“ aus einem weit­eren dreisätzi­gen Zyk­lus „Prélude, Fugue et Vari­a­tion“, ursprünglich für Orgel, hier in einem Klavier­arrange­ment, run­det diese empfehlenswerte CD ab.

Chris­t­ian Kuntze-Krakau