Chaminade, Cécile

Piano Trios op. 11 & 34/ Works for violin, cello & piano

Trio Parnassus

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Musikproduktion Dabringhaus und Grimm
erschienen in: das Orchester 11/2017 , Seite 67

Tri­umphe feierte Cécile Cham­i­nade in den etwa zwei Jahrzehn­ten nach 1890 als Kom­pon­istin von Liedern und Klavier­stück­en sowie als Inter­pretin (meist eigen­er Werke). Sie konz­ertierte in Mit­teleu­ropa, auf dem Balkan und in der Türkei, in Eng­land wurde sie von Köni­gin Vic­to­ria emp­fan­gen, in den USA organ­isierte sich ein begeis­tertes, vor­wiegend weib­lich­es Pub­likum in soge­nan­nten Cham­i­nade-Clubs. In ihrem Heimat­land Frankre­ich war ihr Stern da freilich schon im Sinken. Und nach dem Ersten Weltkrieg kon­nte man sich in musikalis­chen Kreisen immer weniger für ihre Stücke begeis­tern.
Für das unbekan­ntere Kammermusikœuvre der Kom­pon­istin wirft jet­zt das Trio Par­nas­sus einen Hut in den Ring. Die Inter­pre­ta­tio­nen auf dieser neuen CD mit Cham­i­nades bei­den Klavier­trios sowie Musik für Vio­line bzw. Cel­lo und Klavier haben Verve und Überzeu­gungskraft.
Ein­fühlsam gehen die drei Musik­er zu Werke, immer in enger Füh­lung mit dem, was die Musik fordert. So etwa Julia Gal­ics Geigen­ton: geschmei­dig im Capric­cio op. 18, melan­cholisch-ver­hangen im Andan­ti­no aus den Trois Morceaux op. 31, auf­brausend, ja schroff im Alle­gro ener­gi­co aus dem Klavier­trio op. 34. Stre­ich­er­schmelz bre­it­en Gal­ic und Michael Groß (Vio­lon­cel­lo) im Lento des­sel­ben Stücks aus, namentlich aber auch Groß in den bei­den hier zu hören­den kurzen Solostück­en zur Klavier­be­gleitung von Johann Blan­chard. Der zeigt sich durch­weg als Part­ner auf Augen­höhe, ohne zu dominieren: Ein aus­ge­wo­genes Miteinan­der charak­ter­isiert das hier zu hörende Triospiel. Die drei Musik­er lassen auf diese Weise die klar umris­sene Charak­ter­is­tik der einzel­nen Stücke diskret, aber aus­geprägt in den Vorder­grund treten.Schon das frühe Klavier­trio op. 11 – 1880 uraufge­führt, das Werk ein­er Zweiundzwanzigjähri­gen – zeigt eine eigene Verbindung von Ele­ganz, Form­be­wuss­theit und einem unter­gründig brodel­nden Aus­druck­swillen, der dann im Schwest­er­w­erk von 1886 schroff auf­bran­det. Der erste Satz bringt ein herb-lakonis­ches Haupt­the­ma, das von Klavier­akko­r­den kantig skandiert wird – Brahms scheint da nicht weit zu sein –, doch schlägt Cham­i­nade im zweit­en Satz des Trios weichere, sinnlichere Töne an.
Das Trio Par­nas­sus real­isiert diese Aus­druck­swerte authen­tisch, auf dem Boden hoher Musizierkul­tur. Klan­glich wie inter­pre­ta­torisch bewe­gen sich die Drei geschickt und glück­lich zwis­chen roman­tis­chem Sen­ti­ment und einem schlanken, trans­par­enten Zugriff. So gewin­nen sie die Flex­i­bil­ität, sowohl die anspruchsvollen, raum­greifend­en Trios als auch die intimeren, konzen­tri­erten Charak­ter­stücke adäquat darzustellen. Beredtere Anwälte als die drei Musik­er des Trio Par­nas­sus hätte Cécile Cham­i­nade kaum find­en kön­nen.
Gero Schreier