van der Pals, Leopold

Piano Sonata / Duo-Sonata / Piano Trio / Fugues

Elisabeth Zeuthen Schneider (Violine), Tobias van der Pals (Violoncello), Kristoffer Hyldig (Klavier)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Polyhymnia PF14002
erschienen in: das Orchester 09/2015 , Seite 83

Wenn man sich vom Book­let dieser CD über die Musik von Leopold van der Pals (1884–1966) belehren lässt, wird einem auf­grund des in höch­sten Tönen for­mulierten Lobs aus der Fed­er des inter­pre­ta­torisch täti­gen Nach­fahren regel­recht schwindlig, und man fragt sich mit schlechtem Gewis­sen, wieso man diesen Kom­pon­is­ten, der vor dem Ersten Weltkrieg „mit neuen Ideen har­monikaler und kaden­zieller Verknüp­fun­gen“ exper­i­men­tierte und daraus einen Per­son­al­stil entwick­elte, „der Ele­mente der Spätro­man­tik eben­so enthält wie impres­sion­is­tis­che Züge, freie Tonal­ität und auch Inspi­ra­tio­nen von rus­sis­ch­er und nordis­ch­er Musik“, bis­lang ignori­ert hat.
Die vier einge­spiel­ten Kom­po­si­tio­nen holen uns freilich rasch auf den Boden der Tat­sachen zurück: Zwar mag es inter­es­sant sein, dass die Klavier­son­ate op. 143 durch eine motivis­che Ein­heit aller drei Sätze gekennze­ich­net ist, doch ver­schwindet dieses Merk­mal kom­pos­i­torisch­er Meis­ter­schaft rasch hin­ter dem gesicht­slosen, rhyth­misch ver­armten Stil, den van der Pals über weite Streck­en hin­weg pflegt. So kreist der Kopf­satz um eine Aneinan­der­rei­hung sequen­ziert­er Gestal­ten und sich wieder­holen­der Bewe­gungs­fig­uren, das Ada­gio bleibt auf die Abfolge zweier Bewe­gungsmo­mente beschränkt, und nur die abschließende Fuge nimmt etwas mehr Fahrt auf, mutet aber – wie auch die Drei Fugen op. 132 – in ihrer Machart recht schul­meis­ter­lich an.
Die übri­gen Werke hin­ter­lassen ähn­liche Ein­drücke: Wohl tra­gen die Inter­pre­ten das Ada­gio der Duosonate für Vio­line und Vio­lon­cel­lo op. 55 mit viel Raf­fine­ment vor und holen mit ein­er aus­ge­wo­ge­nen Mis­chung aus schön geformtem Klang und Schlichtheit das Max­i­mum aus dem ereignis­ar­men musikalis­chen Geschehen her­aus; über die Schwächen des Werks, etwa die hölz­ern wirk­enden Scher­zo-Teile im Pizzi­ca­to, das rhyth­mis­che Gle­ich­maß im Kopf­satz oder die stark domes­tizierten und daher weit­ge­hend ihrer Reize beraubten folk­loris­tis­chen Anklänge im Finale kön­nen sie aber nicht hin­wegtäuschen. Auch im Klavier­trio op. 56 bleibt die Musik kreuzbrav, obgle­ich zwis­chen­zeitlich ein paar zarte melodis­che Phrasen auf­blühen. Ihr größtes Manko ist näm­lich, dass sie kein­er­lei Über­raschun­gen bere­i­thält und – ins­beson­dere in Bezug auf die Führung der Instru­mente und die Ver­wen­dung von Klang­far­ben – von Anfang an voraus­sag­bar bleibt. Der Gesamtein­druck ist daher let­zten Endes ein­tönig: vor allem geprägt von rhyth­mis­ch­er Dürftigkeit, die auch nicht ander­weit­ig durch har­monis­che oder for­male Über­raschun­gen, Brüche oder iro­nis­che Volten kom­pen­siert wird, son­dern immer in geregel­ten Bah­nen ver­läuft. Störend ist darüber hin­aus der leicht ver­hallte Klang, der die Musik gle­ich­sam in die Ferne rückt. Fast scheint es, als habe man damit eine gewisse geheimnisvolle Aura für die erklin­gen­den Werke schaf­fen wollen. Viel geholfen hat es allerd­ings nicht.
Ste­fan Drees