Wolfgang Amadeus Mozart

Piano Quartets

Finghin Collins (Klavier), Rosanne Philippens (Violine), Máté Szücs (Viola), István Várdai (Violoncello)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Claves 50-3002
erschienen in: das Orchester 10/2020 , Seite 75

Fo(u)rward“ wäre doch ein geeigneter Name. Weil die vier so mod­ern und (ein)dringlich spie­len, so rich­tungsweisend. Oder „Fo(u)rever“. Weil die vier solch bleibende Ein­drücke hin­ter­lassen. Bis­lang jeden­falls haben sie keinen „richti­gen“ Ensem­ble­na­men. Egal – diese Kon­stel­la­tion birgt viel Gutes und Schönes, wie das häu­fig so ist bei (Kammer-)Musikern, die auch über Orch­ester­erfahrung ver­fü­gen. Diese – bei aller Gemein­samkeit – Indi­vid­u­al­ität, dieser Esprit, dieses mitunter beina­he Stör­rische ist unge­mein reizvoll.
An der Vio­line die Nieder­län­derin Rosanne Philip­pens (gelun­gene Ein­spielun­gen in den ver­gan­genen Jahren – hören Sie “Ded­i­ca­tions!” –). an der Vio­la: Maté Szücs, der, obwohl er erst recht spät von der Geige zur Bratsche wech­selte, bis 2018 Solo­bratsch­er der Berlin­er Phil­har­moniker war und unter anderem Dozent an der Liszt-Akademie in Budapest ist. Der Ungar István Vár­dai lehrt Cel­lo neuerd­ings an der Musikhochschule Mannheim und ist durch diverse Auftritte mit Orch­ester und bei Fes­ti­vals schon seit Län­gerem ein „Begriff“. Und zu guter Let­zt: der Pianist Fin­gh­in Collins – aus Irland stam­mend (dort erfol­gte die vor­liegende Ein­spielung), sein­erzeit Clara-Hask­il-Preisträger, ein hörenswert­er Chopin-Inter­pret. Beson­ders im Klavier übri­gens besticht ein bei aller Präg­nanz beson­ders weich­er Sound, der sich unter anderem in der Klavierein­leitung zum zweit­en Satz von KV478 zeigt.
Kaum will man heutzu­tage glauben, dass das g-Moll-Quar­tett sich sein­erzeit so schlecht verkauft hat, ist doch ger­ade das Neue, das Dial­o­gis­che zwis­chen Klavier und Stre­ich­ern so beein­druck­end. Von der dama­li­gen Über­schätzung des instru­men­tal­prak­tis­chen Kön­nens durch den Kom­pon­is­ten in der hiesi­gen Auf­nahme keine Spur: Das Haupt­the­ma, per se ein wenig barsch, wird hier so klar, so trans­par­ent darge­boten, dass es schon fast liebenswert wird.
Dank höch­ster Präzi­sion der Instru­men­tal­is­ten wird aus dem anspruchsvollen Gegeneinan­der ein mitunter sym­phonis­ches, agogis­ches höchst beein­druck­endes Miteinan­der, das aber das ein­gangs erwäh­nte „Einzel­gänger­tum“ angenehm bewahrt. Und in bei­den Quar­tet­ten ver­lieren die auf­fal­l­end lan­gen Kopf­sätze kein biss­chen an Span­nung und for­malem Über­bau. Lustig und unbeküm­mert, aber nicht ohne Tief­gang plätschert der dritte Satz daher. Ger­adezu toll sind hier die Moll-Pas­sagen!
Viel Sen­si­tiv­ität beweist das Ensem­ble im zweit­en und let­zten Quar­tett (1786 kurz nach dem ersten ent­standen), ohne sen­ti­men­tal zu spie­len – so ein weich­es, gefüh­lvolles Cel­lo-Osti­na­to, so eine lieblich fra­gende Geige, so ein satt antwor­tender Flügel, solch beza­ubernd zwitsch­ernde, dann wieder melan­cholis­che Triller! Ein wenig “Figaro” dür­fen wir also auch hier hören. So ein inniger, aus einem Auge weinen­der, aus einem Auge lachen­der Mit­tel­satz. Und so echt mozartisch brin­gen sie das Werk denn auch zuende. Mozart for­ev­er.

Car­o­la Keßler