Werke von Richard Addinsell, Nino Rota und Astor Piazzolla

Piano Concertos

Donka Angatscheva (Klavier), Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach, Ltg. Stefan Fraas

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Ars Produktion Schumacher ARS 38 168
erschienen in: das Orchester 09/2015 , Seite 80

Astor Piaz­zol­la, zu Lebzeit­en vor allem als unsteter Wan­der­er zwis­chen Jazz, Tan­go und Film­musik wahrgenom­men, wird heute zu den her­aus­ra­gen­den Kom­pon­is­ten des 20. Jahrhun­derts gezählt. Seine Kun­st, „hohe“ und „niedere“ Sphären der Musik glück­lich zu ver­schmelzen, sein Ver­mö­gen, aus denkbar sprö­den, sim­plen Bausteinen über alle Maßen Schönes, Rät­sel­haftes zu schaf­fen, kön­nen nicht genug gerühmt wer­den. Vornean ste­hen dabei die Stücke, die er für sein mit Ban­do­neon, Klavier, Vio­line, Gitarre und Cel­lo beset­ztes Quin­te­to Nue­vo Tan­go schrieb, Werke, die sich durch ein­prägsame The­men, markantes Kolorit und eine zupack­ende, kühne Architek­tur ausze­ich­nen. Mit­tler­weile haben die unter­schiedlich­sten Ensem­bles diese Schätze für sich in Beschlag genom­men.
So hat vor Kurzem auch die Vogt­land Phil­har­monie Greiz/Reichenbach zusam­men mit der jun­gen bul­gar­ischen Pianistin Don­ka Angatsche­va zwei Piaz­zol­la-Kom­po­si­tio­nen einge­spielt: die Film­musik-Sequenz La muerte del ángel und die Anto­nio Vivald­is „Vier Jahreszeit­en“ nachemp­fun­de­nen Las Cua­tros Esta­ciones Porteñas. Den Auf­nah­men liegen Arrange­ments für zwei Vio­li­nen, Vio­la, Cel­lo, Kon­tra­bass und Klavier zugrunde, die aus der Fed­er des leg­endären Tan­go-Cel­lis­ten und Piaz­zol­la-Ver­traut­en José Bra­ga­to stam­men. Die Vogt­land Phil­har­monie beset­zt die einzel­nen Stim­men acht-, sechs-, fünf-, vier- bzw. dreifach, formiert damit ein für das Reper­toire schon recht opu­lentes Stre­i­chorch­ester.
Das Ergeb­nis kann sich hören lassen. Ste­fan Fraas, der für die Ein­spielun­gen ver­ant­wortlich zeich­net, nimmt Piaz­zol­las Würfe nicht als Vor­lage für ein klaviergestütztes, auf Hochglanz getrimmtes Orch­esterkonz­ert. Der langjährige Inten­dant und Diri­gent der „Vogtlän­der“ ist allerd­ings auch nicht darauf aus, das Intime, Biegsame, Spielerische, im guten Sinne Frag­ile des Quin­te­tos pass­ge­nau zu imi­tieren. Die im Reichen­bach­er Neu­ber­in­haus ent­stande­nen Auf­nah­men haben ein eigenes Gepräge. Die Stre­ich­er der Phil­har­monie favorisieren einen schlanken, her­ben Ton, agieren wie auch die Pianistin rhyth­misch haarscharf, ent­fachen einen per­ma­nen­ten bohren­den Dri­ve. Bei­de Seit­en haben darüber hin­aus ein Gespür für die oft sprach­los machen­den Brüche und Leer­stellen dieser Musik. Dazu kom­men mit Sergei Synel­nikov (Vio­line) und Peter Manz (Vio­lon­cel­lo) zwei Solis­ten, denen das aus lateinamerikanis­ch­er Folk­lore und Klezmer gespeiste sub­tile Cantabile Piaz­zol­las auf den Leib geschrieben scheint.
Ergänzt wird die CD Piano Con­cer­tos durch Richard Addin­sells glutvoll inter­pretiertes, wohltuend schw­er und dunkel klin­gen­des „Warschauer Konz­ert“ und Nino Rotas pointiert gebotene, vir­tu­osen Esprit ver­strö­mende Suite Con­cer­to soirée.
Volk­er Müller