Ludwig van Beethoven

Piano Concertos 0–5

Mari Kodama (Klavier), Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Ltg. Kent Nagano

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Berlin Classics
erschienen in: das Orchester 02/2020 , Seite 66

Wie bei anderen Gat­tun­gen hat Beethoven auch für das Instru­mentalkonz­ert mon­u­men­tale Maßstäbe geset­zt. Von beson­der­er Bedeu­tung sind dabei seine Klavierkonz­erte, wobei namentlich in den Klavierkonz­erten Nr. 4 und Nr. 5 die Idee des sin­fonis­chen Konz­erts zu voller Ent­fal­tung gelangt. Inner­halb der Rezep­tion ste­hen allerd­ings die fünf mit Opuszahlen verse­henen Klavierkonz­erte im Fokus der Wahrnehmung – ähn­lich wie bei Beethovens Klavier­son­at­en, wo die 32 mit Opuszahlen verse­henen Werke zum Inbe­griff seines Sonaten­schaf­fens wur­denn.
Ana­log ver­hält es sich auch mit Beethovens frühem Klavierkonz­ert in Es-Dur WoO 4, welch­es gern auch als das „Nullte“ beze­ich­net wird, um es in die Rei­he sein­er bekan­nten Konz­erte einzuord­nen. Es ste­ht abseits der gängi­gen Wahrnehmung und ist einem größeren Pub­likum­skreis in der Regel unbekan­nt. Dass die vor­liegende Ein­spielung durch das Kün­stlere­hep­aar Mari Kodama und Kent Nagano mit genau diesem Jugendw­erk des Meis­ters eröffnet wird, sichert der Auf­nahme bere­its eine Aus­nahmestel­lung. Während aus den Klavierkonz­erten Nr. 1 und Nr. 2 zuweilen die Ton­sprache Mozarts und Haydns her­auszuhören ist, find­en sich in dem jugendlichen Konz­ert stilis­tis­che Ele­mente, welche an Johann Chris­t­ian Bach und an Ein­flüsse von Beethovens Bon­ner Lehrer Chris­t­ian Got­t­lob Neefe denken lassen. Für viele Hör­er wird die Ein­beziehung dieses Jugendw­erks somit zu ein­er Hor­i­zon­ter­weiterung in Bezug auf Beethovens Konz­ertschaf­fen führen.
Ein wahrer Hör­genuss ist die stets flüs­sige und sehr leicht anmu­tende Spielkun­st Kodamas, welche die gesamte Auf­nahme ausze­ich­net. Gepaart mit geschickt gestal­teten Phrasierun­gen tritt hier­durch zum Beispiel im Refrain des Ron­do-Finales aus dem Konz­ert Nr. 1 dessen humoresker Charak­ter ein­drucksvoll her­vor. Als zusät­zlich­es Schmankerl enthält die Auf­nahme auch das Tripelkonz­ert op. 56. Gegenüber den aus­gedehn­ten Cel­lo-Ein­sätzen kommt dem Klavier hier in weit­en Teilen eine mehr beglei­t­ende Rolle zu. Auch insoweit beweist Kodama ein aus­ge­sproch­enes Feinge­fühl: Ihre Inter­pre­ta­tion mit dem Cel­lis­ten Johannes Moser und dem Vio­lin­is­ten Kol­ja Blach­er erweist sich als facetten- und far­ben­re­ich­es Zusam­men­spiel. Alle drei Instru­men­tal­is­ten for­men gemein­sam mit dem Orch­ester ein über­aus ansprechen­des Gesamt­bild.
In den sin­fonisch geprägten Konz­erten Nr. 4 und Nr. 5, in denen das Klavier häu­fig die Rolle mit dem Orch­ester tauscht, kommt das präzise abges­timmte Zusam­men­wirken aller Musik­er beson­ders zum Aus­druck. Das Deutsche Sym­phonie-Orch­ester Berlin find­et hier unter der Leitung von Kent Nagano – zugle­ich Ehrendiri­gent des Klangkör­pers – die richtige Bal­ance für ein gle­ich­berechtigtes Nebeneinan­der.
Abgerun­det wird diese kün­st­lerisch in jed­er Hin­sicht per­fek­te Ein­spielung durch das umfan­gre­iche Book­let mit zahlre­ichen Details aus der Entste­hungs­geschichte von Beethovens Klavierkonz­erten, was über das Hör­erleb­nis hin­aus einen umfassenden Ein­blick in sein Konz­ertschaf­fen ermöglicht.

Bernd Wladi­ka