Thomas Weiss

Pforzheim: Mit Übersicht und Understatement

Saisoneröffnung des Südwestdeutschen Kammerorchesters Pforzheim

Rubrik: Bericht
erschienen in: das Orchester 1/2022 , Seite 57

Das erste Abon­nemen­tkonz­ert der neuen Sai­son ist fast ein Neustart für Dou­glas Bos­tock, den britis­chen Chefdiri­gen­ten des Süd­west­deutschen Kam­merorch­esters, denn von der ver­gan­genen Sai­son sei pan­demiebe­d­ingt „kaum etwas geblieben“. Untätig blieb das Orch­ester den­noch nicht, eine Rei­he von CDs wurde einge­spielt. Im großen Saal des Pforzheimer Con­gress­Cen­trums blieb der inter­na­tion­al erfahrene Diri­gent sein­er Lin­ie treu, Musik seines Heimat­landes vorzustellen: Mal­colm Arnolds Sin­foni­et­ta Nr. 1 und das Finale aus dessen 3. Sin­foni­et­ta erk­lan­gen – bläserver­stärkt – zugle­ich als Geburt­stags­gruß, wäre doch der Kom­pon­ist am 21. Okto­ber 100 Jahre alt geworden.
Mit Eng­land eng ver­bun­den ist auch Joseph Haydns 92. Sin­fonie, ihren Beina­men „Oxford“ erhielt die G‑Dur-Sin­fonie, da sie bei der dor­tigen Ver­lei­hung der Ehren­dok­tor­würde an Haydn aufge­führt wor­den sein soll. Bostock hat dur­chaus ein Händ­chen für Haydns mit teil­weise über­raschen­den Momenten aufwartende Par­ti­tur. Die unter­schiedlichen Aus­druckebe­nen sind bei ihm und dem Orch­ester zu ein­er Ein­heit ver­bun­den. Als nicht unprob­lema­tisch erwies sich hinge­gen die dynamis­che Abstim­mung der Stre­ich­er: Beim Saisonauf­takt schwächel­ten die ersten Geiger durchgängig, agierten weniger homogen als gewohnt mit den guten Gast­bläsern, stel­lvertre­tend sei die Solo-Oboistin Julia Strö­bel-Bän­sch genannt.

 

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