Arend Weitzel/Marek Stefula

Pauken-Probespiel

Orchesterstellen, Etüden, Klavierauszüge, Wirbel

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Leu
erschienen in: das Orchester 05/2018 , Seite 69

Für viele Absol­ven­ten von Instru­men­tal­stu­di­engän­gen sind die Probe­spiel­hefte von Schott und Edi­tion Peters auf dem Weg zu ein­er fes­ten Orch­ester­stelle ein langjähriger Begleit­er. Für die Instru­menten­gruppe „Pauken und Schlagzeug“ gibt es dafür ein Schott-Heft, in dem die Orch­ester­stellen für bei­de Instru­mente gesam­melt sind. Ergänzend dazu haben Arendt Weitzel und Marek Ste­fu­la nun eine neue Samm­lung her­aus­gegeben, die sich auf Pauken-Probe­spiel­stellen spezial­isiert. Bei­de Autoren sind Solopauk­er in renom­mierten deutschen Orch­estern und haben darüber hin­aus eine langjährige Erfahrung als Hochschul­dozen­ten vorzuweisen.
Das Beson­dere am vor­liegen­den Pauken-Probe­spiel­heft ist der im Vor­wort for­mulierte Anspruch, dass diese Aus­gabe „sämtliche Mate­ri­alien bein­hal­tet, die für ein erfol­gre­ich­es Pauken-Probe­spiel notwendig sind“. Das schließt beispiel­sweise auch eine Wirbelübung und mehrere Paukenetü­den ein, unter anderem von Franz Krüger, Hans-Jörg Bay­er und Eck­hard Keune. Ähn­lich wie die Mozart-Konz­erte bei anderen Orch­es­terin­stru­menten fungieren sie oft als wichtiges Auswahlkri­teri­um in der ersten Runde von Pauken­probe­spie­len. Im Ver­gle­ich zu den Orig­i­nalaus­gaben hat sich die Les­barkeit der Etü­den dabei deut­lich verbessert.
Außer­dem find­et sich in der neuen Edi­tion eine deut­lich größere Auswahl an Pauken-Orch­ester­stellen als in der Schott-Aus­gabe. Mehrere Orch­ester­stellen sind auch in ein­er in der heuti­gen Spiel­prax­is üblichen Ver­sion abge­druckt. Bei vie­len Strauss- und Wag­n­er-Opern wird inzwis­chen dank der tech­nis­chen Entwick­lung der Ped­al­pauken näm­lich meist nur noch ein Pauk­er statt der vom Kom­pon­is­ten vorge­se­henen zwei Pauk­er einge­set­zt. Damit die Kom­po­si­tion trotz­dem möglichst par­ti­turg­erecht wiedergegeben wird, spielt dieser eine aus bei­den Orig­i­nal­stim­men kom­binierte Ver­sion. So steigt aber auch der spielerische Anspruch für den verbleiben­den Pauk­er, weshalb solche Stellen im Probe­spiel gerne in jen­er heute gängi­gen Fas­sung gefordert wer­den.
Da bei der Pauke sowohl die Into­na­tion als auch das Zusam­men­spiel eine wichtige Rolle spie­len, wer­den im Probe­spiel viele Stellen oft mit Klavier ver­langt. Im Ver­gle­ich zum Schott-Heft enthält die neuen Aus­gabe deshalb deut­lich mehr Orch­ester­stellen mit Klavier­auszü­gen.
Der einzige kleine Kri­tikpunkt an diesem Heft ist die Anord­nung der Orch­ester­stellen, die sich am Urauf­führungs­da­tum der jew­eili­gen Werke ori­en­tiert. Dies mag musikgeschichtlich und stilis­tisch natür­lich reizvoll sein, bed­ingt jedoch, dass sich z.B. die Orch­ester­stellen von Richard Strauss mit Kom­pon­is­ten wie Sibelius, Mahler und Straw­in­sky abwech­seln. Dadurch wird die schnelle Auffind­barkeit und Über­sichtlichkeit der Stellen lei­der etwas erschw­ert.
Ins­ge­samt hat diese Neuaus­gabe dur­chaus das Poten­zial, zu einem täglichen Arbeitsmit­tel für ange­hende Orch­ester­pauk­er zu wer­den. Die Inte­gra­tion der Paukenetü­den, die bish­er meist als lose Kopi­en ins Schott-Heft ein­gelegt wur­den, stellt dabei den sicher­lich größten Plus­punkt dar.
Ste­fan Lan­des