Werke von Thomas Attwood Walmisley, Maurice Ravel, Francis Poulenc und anderen

Pastorale

Katsuya Watanabe (Oboe), Ulugbek Palvanov (Klavier)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Profil / Edition Günter Hänssler
erschienen in: das Orchester 12/2016 , Seite 69

Das Vibra­to flir­rt her­rlich sil­brig, der Ton ist leicht und hell und doch kernig. Kat­suya Watan­abe geht den ersten Satz („Elegie“) von Poulencs Oboen­sonate ruhig an, artikuliert sehr genau und lässt die Musik san­ft fließen. Akzente, wo nötig, spielt er kraftvoll, aber immer delikat geschmack­voll. Das Stac­ca­to im zweit­en Satz („Scher­zo“), vom Pianis­ten Ulug­bek Pal­vanov erstk­las­sig sekundiert, hüpft ansprechend leicht. Die Tech­nik glänzt bis in die let­zte Wen­dung sauber und unangestrengt. Die etwas verträumten Kan­tile­nen kostet Watan­abe dabei voll aus. Auch den zweit­en Satz lässt er mehr fließen, als dass er ihn aus der Oboe treibt. Der Wohlk­lang, handw­erk­lich bravourös aus­ge­führt, dominiert. Auch die „Déplo­ration“ (drit­ter Satz) stimmt in sich musikalisch, kön­nte aber ein biss­chen mehr Tem­pera­ment in der Mitte ver­tra­gen. Dafür verzichtet Watan­abe auf jede Effek­thascherei.
Die Sonatine Nr. 1 von Thomas Attwood Walmis­ley eröffnet diese CD. Roman­tisch und expres­siv ist diese Musik, ein kleines biss­chen sen­ti­men­tal und von Watan­abe mit seinem sil­bri­gen Vibra­to verzuck­ert. Ab der Mitte wird es etwas bewegter und endet fröh­lich. Ein hüb­sches, gut gewähltes Werk für den Anfang, von bei­den Musik­ern grandios hin­gelegt, wenn auch das kurze Acceleran­do am Ende ein wenig zu engagiert wirkt.
Mau­rice Rav­els Pièce en forme de Habanera im Arrange­ment für Oboe und Klavier ist ein Zuck­erl. Inten­siv sich im Tem­po steigernde Triller und viel Dynamik, immer in Kom­bi­na­tion mit andauern­dem Vibra­to, lassen das kleine Werk strahlen. Pianist Pal­vanov begleit­et die sehn­suchtsvoll sin­gende Oboe dezent.
Michael Head schrieb Three Pieces for Oboe and Piano für die Oboistin Eve­lyn Roth­well, die später die zweite Ehe­frau des Diri­gen­ten John Bar­bi­rol­li wurde. Der ruhi­gen „Gavotte“ fol­gt ein weit­er­er langsamer Satz: pur­er Klanggenuss, bei Watan­abe in den besten Hän­den. But­ter­we­ich fließt diese Musik dahin, passend zum Titel der CD. Auch das „Presto“ hüpft entspan­nt daher, wieder tech­nisch exzel­lent aus­ge­führt.
Spätestens jet­zt wün­scht sich manch­er Hör­er sich­er jedoch ein wenig Würze, einen Hauch Neuer Musik mit reiben­den Dis­so­nanzen vielle­icht, oder den Schwung barock­er Motorik. Da kommt die fröh-
liche Artiku­la­tion­sstudie Hora Stac­ca­to von Grigo­ria? Dinicu mit ihrer folk­loris­tis­chen Melodik wie gerufen. Watan­abe kitzelt einen reich­lich sauberen Klezmer aus der Oboe, lässt sie jauchzen und tanzen. Das sind ein paar Minuten unbeschw­ert­er Fröh­lichkeit.
Am Ende dann ein län­geres Werk, Ben­jamin Godards Légende Pas­torale. Kan­tile­nen eröff­nen, wieder ele­gant und sauber intoniert. Und genau­so verträumt bleibt es, wenn auch ein biss­chen Dra­matik durch­schim­mert. Watan­abes Oboe klingt wieder in allen Lagen aus­ge­wogen.
Es ist eine mutige Sache, eine CD fast ohne tech­nis­che Husaren­ritte vorzule­gen. Lang­weilig wird es nicht, aber so viel musikalis­che Schön­heit ist tat­säch­lich auch eine Her­aus­forderung an den Hör­er.
Heike Eick­hoff