Armin Knab

Pastorale

für Oboe und Orgel, Partitur und Stimme

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Befoco music, Coburg 2015
erschienen in: das Orchester 11/2015 , Seite 77

Der Oboist freut sich längst, dass in diesem Ver­lag eine Rei­he hüb­sch­er Petitessen für Oboe und Orgel zur Ver­fü­gung ste­hen. Nun liegt wieder eine Orig­i­nalkom­po­si­tion für diese Beset­zung vor – eine Seite Wohlk­lang für die Obois­t­en. Der Organ­ist hat immer­hin drei Seit­en Noten vor sich. Ein paar kurze Minuten des Träu­mens, des Klangs – die Web­site des Ver­lags bietet dazu ein sehr gut gespieltes Klang­beispiel mit etwas dom­i­nant aufgenommen­er Oboe. Die 53 Tak­te des ruhig vor sich hin fließen­den Werks weisen am Ende eine kleine, allerd­ings von der Orgel begleit­ete, kaden­zähn­liche Pas­sage für den Obois­t­en auf. Ein paar Dreik­langs­brechun­gen, sehr gut gele­gen, am Ende zweimal das d”’ als Halbe – her­rlich!
Wer mag, kann das kleine Werk durch eine Menge Ritar­dan­di und Crescen­di etwas überzuck­ern und im Pro­gramm her­ausstellen. Oder es ein­fach als hüb­sches Füll­stück nehmen und es ele­gant, nicht aufge­blasen, unter das Pro­gramm mis­chen. Auch kann es auf­grund der Kürze und der tech­nis­chen Anspruch­slosigkeit mit geringem Aufwand dem Gottes­di­enst ein biss­chen Farbe geben.
Ruhig fließende Achtel und Vier­tel in beque­mer Lage machen die Oboen­stimme aus. Eine schlichte Phrase, die ins Ohr geht, kehrt leicht verän­dert wieder. Die Orgel ist eine brave Beglei­t­erin, die dur­chaus melodis­che Auf­gaben wahrn­immt und dezente Klang­far­ben. Nach vier Tak­ten Intro­duk­tion der Orgel begin­nt die Oboe mit ein­er vier­tak­ti­gen Kan­ti­lene, die durch eine Synkope aus­geleit­et wird – auf höher­er Ton­stufe wird sie jedoch sofort weit­erge­führt und vari­iert. Dann erscheint die Kan­ti­lene wieder in ihrer vier­tak­ti­gen Anfangs­gestalt. Anschließend übern­immt die Oboe in etwa die Vier­tel der Orgel aus den ersten Tak­ten. Die bekan­nten melodis­chen Phrasen wer­den nun dezent vari­iert. Die Orgel darf Achtel spie­len, teils ertö­nen klangvolle Akko­rde.
Die Dynamik ist dur­chaus dezent gehal­ten. Das Werk begin­nt und endet im Pianis­si­mo, zwei Tak­te Mez­zo­forte machen den lautesten Teil aus. Da es in der Oboe sehr bequem liegt, kann fast jed­er Oboist diese Vor­gaben ein­hal­ten. Die Tonart G-Dur ist eben­falls für die Oboe recht angenehm. Das Zusam­men­spiel mit dem Organ­is­ten sollte selb­st für den Oboen­schüler, der ein wenig Erfahrung aufweist, prob­lem­los laufen. Auch kann der spiel­freudi­ge Orgelschüler hier vielle­icht zum ersten Male einen jun­gen Obois­t­en begleit­en. Trotz­dem ist diese schein­bar so sim­ple Musik nicht ohne Reiz.
Armin Knab hat hier also wed­er melodisch noch har­monisch exper­i­men­tiert. Der Oboist Georg Meer­wein weiß, so der Her­aus­ge­ber, dass diese Pas­torale zu einem mut­maßlich ver­schol­lenen Ora­to­ri­um gehört. Die Pas­torale wurde im Novem­ber 1945 kom­poniert, soviel scheint gesichert. Der Zuhör­er wird in san­fte, gar nicht nach dem Kom­po­si­tion­s­jahr klin­gende Klang­wel­ten gelullt.
Heike Eick­hoff