Norbert Laufer

Pas de trois

für Violine, Violoncello und Klavier, Partitur und Stimmen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Dohr
erschienen in: das Orchester 06/2018 , Seite 66

Er begin­nt langsam, dieser Pas de trois für Vio­line, Vio­lon­cel­lo und Klavier. Die bei­den Stre­ichin­stru­mente loten in Achtel­w­erten eine ver­min­derte Quinte aus: Halbton­schritt nach oben, Quarte nach unten, Halbton­schritt nach unten. Diese Fig­ur wird wieder­holt und behut­sam um einen Halbton­schritt erweit­ert, später um noch einen und mit ein­er vor­läu­fi­gen Schluss­wen­dung verse­hen. Danach erscheint noch zwei Mal das Anfangsmo­tiv, zunächst in den schon bekan­nten Achtel­w­erten, dann in gedehn­tem Rhyth­mus.
Es ist eine kleine Studie über ökonomis­ches Kom­ponieren, mit der Nor­bert Laufer sein dreisätziges Klavier­trio eröffnet. Er konzen­tri­ert sich auf wenige Ele­mente, die er mit ein­er fast schon päd­a­gogis­chen Deut­lichkeit präsen­tiert. Und diese behut­same Mate­ri­alen­twick­lung bes­timmt auch den weit­eren Ver­lauf des Satzes. Die Anfangs­fig­ur wird zu ein­er Pizzi­ca­tolin­ie im Vio­lon­cel­lo fort­ge­spon­nen, die von der Vio­line in der Art eines freien Kanons beant­wortet wird, aber auch im Bass­reg­is­ter des Klaviers erscheint. Die rechte Hand tupft da-zu Ganz­ton­klänge, die sich eben­falls im Klavier­bass aus­bre­it­en. Immer mehr Energien zieht Laufer aus diesen Ideen, um die Musik in ein heftig bewegtes „Alle­gro ener­gi­co“, dann in ein schw­er­lastiges „Pesante“ mün­den zu lassen.
Uraufge­führt wurde das Stück bere­its 1996, jet­zt sind Par­ti­tur und Stim­men im Ver­lag Dohr in Köln erschienen. „Im Zen­trum“, so informiert das Vor­wort, „ste­ht ein langsamer Mit­tel­satz, bei dem jede Stimme ihr eigenes Mate­r­i­al hat. Die Geige spielt immer in hohen Regio­nen in ein­er nicht zyk­lis­chen Leit­er; das Cel­lo bre­it­et Klangflächen über sich immer weit­er aus­dehnen­den Arpeg­gien aus, wobei auch Vierteltöne benutzt werde; das Klavier schließlich gibt einige klan­gliche Akzente.“
Die Vio­lin­stimme des zweit­en Satzes greift Kom­po­si­tionsver­fahren des ersten Satzes auf: min­i­males Weit­erwach­sen ein­er Aus­gangsidee. Der dritte Satz schließlich ist als ei­ne Art Spiegel des ersten zu ver­ste­hen. Er ver­wen­det über weite Streck­en das gle­iche Mate­r­i­al, begin­nt aber mit der „Pesante“-Schlussfigur, um dann zur „Grave“-Idee zurück­zukehren. Den endgülti­gen Schluss markieren allerd­ings noch ein­mal die „Pesante“-Triolen.
Struk­turelle und rhyth­mis­che Klarheit prä­gen das Stück; die Har­monik ist stark dis­so­nant auf­grund ein­er spielerisch gehand­habten Chro­matik. Das Stück braucht schon recht ver­sierte Musik­er, um adäquat aufge­führt zu wer­den. Raum­greifend­es Laufw­erk wird ver­langt, dazu Triller, Fla­geo­letts, Vier­tel- und Dreivierteltöne. Nor­bert Laufer, der in Düs­sel­dorf als Lehrer für Vio­line und Musik­the­o­rie arbeit­et, schreibt seine Kom­po­si­tio­nen meis­tens in unmit­tel­bar­er Zusam­me­nar­beit mit Inter­pre­ten. “Pas de trois” ent­stand auf Anre­gung des Cel­lis­ten Dan Zem­lic­ka, der auch die Urauf­führung mit aus der Taufe hob.
Math­ias Nofze