Works for Tuba and Orchestra

Paesaggio

Siegfried Jung (Tuba), Johanna Jung (Harfe), Orchester des Nationaltheaters Mannheim, Ltg. Walter Hilgers

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Coviello COV91727
erschienen in: das Orchester 07-08/2018 , Seite 67

Mehr und mehr wird die Tuba als Soloin­stru­ment ent­deckt und wahrgenom­men. Das mag daran liegen, dass es inzwis­chen so viele Meis­ter dieses Instru­ments gibt. Wal­ter Hilgers ist ein­er davon. Er war es, der durch seine Auftritte mit Ger­man Brass wesentlich dazu beige­tra­gen hat, der Tuba den Stel­len­wert zu ver­schaf­fen, den sie heute ver­di­en­ter­maßen hat. Hilgers konzen­tri­ert sich mit­tler­weile auf das Dirigieren und über­lässt es auf dieser CD seinem Kol­le­gen Siegfried Jung, sich zu präsen­tieren. Begleit­et wird Jung von „seinem“ Orch­ester, dem Orch­ester des Nation­althe­aters Mannheim, in dem er seit 1999 beschäftigt ist.
Pae­sag­gio – Land­schaft – wurde als Titel dieser CD gewählt. Ein sehr tre­f­fend­er Begriff, denn als Zuhör­er wird man wie auf einem abwech­slungsre­ichen Spazier­gang durch einen Reigen bunter, sehr unter­schiedlich­er Musik geführt. Vaugh­an Williams’ Konz­ert für Tuba und Orch­ester darf auf ein­er Ref­erenz-CD nicht fehlen, schließlich ist die Auswahl an Solo­lit­er­atur nicht sehr groß. Umso span­nen­der ist es, zwei Neukom­po­si­tio­nen auf der CD zu find­en. Zum einen das Diver­ti­men­to für Tuba, Harfe und Orch­ester von Willi März, zum anderen Prayer von Andrea Csol­lány, eben­falls für Tuba und Harfe, dies­mal mit Stre­icher­be­gleitung.
Die ungewöhn­liche Kom­bi­na­tion der Soloin­stru­mente resul­tiert daraus, dass Siegfried Jungs Ehe­frau Johan­na Jung als Har­fenistin tätig ist, sowohl solis­tisch als auch im Orch­ester der Hans­es­tadt Lübeck. Willi März’ Kom­po­si­tion geht sehr in Rich­tung Film­musik im Stil früher Hol­ly­wood-Pro­duk­tio­nen, sehr unter­halt­sam und kurzweilig. Csol­lánys Prayer ist ein nach­den­klich­es Stück, das durch die Satzanord­nung lansam-schnell-langsam nicht auf Effek­te set­zt, son­dern das Gesan­gliche in den Vorder­grund stellt.
Passend zum CD-Titel ist Land­scape von Tor­b­jörn Iwan Lundquist auf dem Ton­träger zu hören. In diesem 20-minüti­gen Werk für Tuba, Stre­i­chorch­ester und Klavier zeigt Jung beson­ders die lyrischen Facetten und Klang­möglichkeit­en seines Instru­ments. Den Abschluss bildet ein Rumänis­ch­er Tanz von Ionel Du­mitru in einem Arrange­ment von Willi März. Ein kurzes, pfif­figes Stück, das Jung auf den Leib geschnei­dert scheint.
Generell ist diese CD eine tolle Vis­itenkarte dieses her­vor­ra­gen­den Tubis­ten und natür­lich auch von Johan­na Jung. Das Orch­ester des Nation­althe­aters Mannheim mit dem Diri­gen­ten Wal­ter Hilgers begleit­et die Solis­ten sehr aufmerk­sam und ein­fühlsam, sehr dif­feren­ziert im Klang.
Grafisch schön gestal­tet ist das zweis­prachige (deutsch, englisch), sehr text­lastige Book­let. Anstatt den Charak­ter der Stücke zu beschreiben – was ich für über­flüs­sig halte, da ich die Musik ja hören kann –, hätte ich mir etwas mehr Infor­ma­tion zu den Kom­pon­is­ten gewün­scht, vor allem zu den weniger bekan­nten. Dem Gesamtein­druck der Pro­duk­tion tut dies aber keinen Abbruch. Ger­ade für Fach­pub­likum ist diese CD dur­chaus hörenswert und sollte in kein­er Samm­lung von Tuba-Lit­er­atur fehlen.
Ulrich Haider