Franz Schubert

Ouvertüre zum Melodram „Die Zauberharfe“ D 644/ Sinfonie Nr. 8 C-Dur D 944 „Große Sinfonie C-Dur“

Kammerorchester Basel, Ltg. Heinz Holliger

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Sony Classical
erschienen in: das Orchester 03/2019 , Seite 66

Heinz Hol­liger und das Kam­merorch­ester Basel, das hier so weit als möglich auf „peri­od instru­ments“ musiziert, set­zen an zu ein­er Gesam­tauf­nahme der Schu­bert-Sym­phonien. Der großen C-Dur-Sym­phonie (1825/26) vor­angestellt ist die Ouvertüre zur Zauber­harfe, vor­mals auch als Rosamunde-Ouvertüre aufge­führt. Die Zauber­harfe, das elfte von 21 Büh­nen­werken Schu­berts, ent­stand als „Zauber­spiel in drei Akten“ für das The­ater an der Wien und die damals mod­ern­ste Büh­nen­tech­nik von Alfred Roller auf ein Libret­to Georg von Hof­manns.
Dieses Rührstück mit­te­lal­ter­lich­er Rit­ter- und Geis­ter­ro­man­tik knüpft mit der Teilung in Gut und Böse samt drei Prü­fun­gen an Mozarts bzw. Schikaned­ers Zauber­flöte an, die Musik (zumin­d­est) der Ouvertüre jedoch an Rossi­ni. Das Zauber­spiel erlebte 1820 acht Auf­führun­gen. Die gesproch­enen Dialoge sind ver­schollen. Erhal­ten blieben immer­hin mehr als 100 Minuten Musik, darunter sechs län­gere Melo­drame, die Schu­berts musikalisch-dra­matur­gis­chen Zugriff auf das Stück zeigen.
Hol­ligers Sicht auf Schu­berts let­zte vol­len­dete Sym­phonie ist es wert, gehört und wahrgenom­men zu wer­den. Er fasst Schu­bert als Klas­sik­er auf, entwick­elt alle Sätze aus einem einzi­gen Tem­po, das mit dem alla breve der Ein­leitung vorgegeben ist. Darm­sait­en und mit­tlere Stre­icherbe­set­zung (8–7-5–5-3) ermöglichen eine struk­turbe­tonte Trans­parenz, bei der die Ten­denz zur satzüber­greifend­en Monothe­matik her­vor­tritt: „Bei Schu­bert erscheinen die gle­ichen Melo­di­en ähn­lich wie Büh­nen­fig­uren in ständig wech­sel­nder Beleuch­tung und vielfälti­gen Schat­tierun­gen“, so Hol­liger im Book­let. Man hört eine bläs­er- und rhyth­mus­be­tonte Lesart, kurze Phrasen, harte Akzente und dra­matur­gis­che Schnitte – ewiges Pulsieren, Wan­dern, auch Marschieren. Schu­berts Moder­nität, das ver­mit­telt die Auf­nahme, liegt nicht im roman­tis­chen Schweifen, son­dern im nir­gend­wo Ankom­men, einem bisweilen abgründi­gen Zwielicht.
Am Blühen­den sowie an Übergän­gen scheint Hol­liger nicht inter­essiert. Klangver­liebt ist diese Ein­spielung aus dem Landgasthof Riehen (Novem­ber 2017) auch nicht. Die abrupten dynamis­chen Wech­sel wirken bisweilen fast so, als hätte die trock­ene und sehr direk­te Ton­tech­nik mit dem Pegel nachge­holfen. Die Beto­nung der Eins wird vielle­icht ein wenig zu starr oder gle­ich­bleibend prak­tiziert; ein warmer Orch­esterk­lang, eine har­monis­che Bal­ance Bläser/Streicher, stellt sich kaum ein. Gle­ich­wohl ist eine charak­ter­is­tis­che Auf­nahme ent­standen, deren herbe Strenge und Kom­pro­miss­losigkeit Sub­stanz hat. An der Sät­ti­gung und Räum­lichkeit des Klangs indes wäre noch zu arbeit­en.
Felix Wal­ter