Werke von Samuel Barber, Félix Alexandre Guilmant und Joseph Jongen

Orgel & Orchester

Felix Hell (Orgel), Orchester des Pfalztheaters Kaiserslautern, Ltg. Uwe Sandner

Rubrik: CDs
Verlag/Label: perc.pro 40072014
erschienen in: das Orchester 11/2015 , Seite 81

Ein gutes, bestens aufeinan­der einge­spieltes Team: der Organ­ist Felix Hell und das Orch­ester des Pfalzthe­aters Kaiser­slautern. Schon drei Mal – in den Jahren 2009, 2012 und 2014 – haben sie sich unter Fed­er­führung des Bezirksver­ban­des Pfalz und unter dem Mot­to „Orgel trifft Orch­ester“ der großen Lit­er­atur für diese Kom­bi­na­tion gewid­met und sie in viel beachteten Konz­erten präsen­tiert. Einen Auss­chnitt aus diesem Reper­toire doku­men­tiert nun die vor­liegende CD.
Felix Hell, 1985 in der Pfalz geboren, zählte Ende der 1990er Jahre zu den Shoot­ing Stars unter den jun­gen Organ­is­ten, der dann ziem­lich schnell in die Vere­inigten Staat­en ging und unter anderem an der New York­er Juil­liard School studierte. Seit­dem hat er sich als exzel­len­ter Solist rasch weltweit etablieren kön­nen. Kein Wun­der, denn Hell ver­fügt über erstk­las­sige tech­nis­che und musikalis­che Fähigkeit­en – schön zu erleben
in den einge­spiel­ten Klas­sik­ern von Alexan­dre Guil­mant (Sym­phonie Nr. 1 d-Moll op. 42) und Joseph Jon­gen (Sym­phonie Con­cer­tante op. 81) – aber auch in Samuel Bar­bers Toc­ca­ta fes­ti­va, die im Gegen­satz zu Guil­mant und Jon­gen eher eine Pro­gramm­rar­ität darstellt.
Dieses 15-minütige Werk ist eigentlich weit mehr als „nur“ eine Toc­ca­ta angesichts sein­er mehrteili­gen Anlage mit deut­lich voneinan­der abge­set­zten, gle­ich­wohl durchkom­ponierten Abschnit­ten. Ihnen gemein­sam ist der fast archaisch anmu­tende Klang­duk­tus, in den wuchti­gen und vom großen Orch­ester dominierten Pas­sagen nicht weniger als in den kam­mer­musikalisch angelegten Momenten, die Hell sehr far­big und abwech­slungsre­ich gestal­tet. Mitunter mün­det Bar­bers Sprache ins Pit­toreske, kreist aber stets konzen­tri­ert um die bei­den markan­ten The­men.
Was wirk­lich generell beein­druckt, ist das ger­adezu sym­bi­o­tis­che Miteinan­der von Orgel und Orch­ester – der Organ­ist Felix Hell mit seinem sou­verä­nen, frischen, schwungvollen Zugriff auf alle drei Par­ti­turen, das Orch­ester unter der Leitung von Gen­eral­musikdi­rek­tor Uwe Sand­ner mit run­dem, süf­fig sin­fonis­chem Klang im Tut­ti, mit edler Blech­bläser­bat­terie und aus­geze­ich­neten Stre­ich­er- und Holzbläser­soli.
Das CD-Cov­er ist clever gemacht: Es zeigt den Solis­ten tanzend vor einem fünf­man­u­ali­gen (amerikanis­chen) Orgel­spieltisch. Dieser hat zwar mit dem für die Auf­nahme ver­wen­de­ten Instru­ment der Stift­skirche Kaiser­slautern nichts zu tun, macht aber einen optisch tollen Ein­druck. Jedoch gibt es einen Wer­mut­stropfen für den „Orgelken­ner“: Außer der Dis­po­si­tion, also der Auflis­tung der Klang­far­ben, find­et sich im Book­let nichts über diese Orgel, die trotz ihrer eher barock angelegten Klan­glichkeit eine über­raschend gute Fig­ur macht. „Orgel trifft Orch­ester“ – diesem Pro­jekt wün­scht man eine Fort­set­zung!
Christoph Schulte im Walde