Debussy, Claude

Orchestral Works

Dirk Altmann (Klarinette), Daniel Gauthier (Saxophon), Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR, Ltg. Heinz Holliger

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Hänssler Classic CD 93.315
erschienen in: das Orchester 01/2015 , Seite 77

Im Rah­men ein­er Rei­he mit Werken franzö­sis­ch­er Kom­pon­is­ten erschien bei Hänssler – nach etlichen CDs mit Kom­po­si­tio­nen von Charles Koech­lin, Mau­rice Rav­el und Fran­cis Poulenc – eine Präsen­ta­tion einiger Orch­ester­stücke von Claude Debussy, die im Juni 2012 in der Stadthalle von Sin­delfin­gen aufgenom­men wur­den. Das Pro­gramm enthält – außer den bekan­nten Images pour orchestre (mit Ron­des de Print­emps, Gigues und Ibéria) sowie dem vielle­icht berühmtesten Werk des Kom­pon­is­ten, dem Prélude à l’après-midi d’un faune – zwei rel­a­tiv wenig gespielte Konz­ert­stücke: die Pre­mière Rap­sodie pour orchestre avec clar­inette prin­ci­pale und die Rap­sodie pour orchestre et sax­o­phone. Die bei­den Solis­ten Dirk Alt­mann bzw. Daniel Gau­thi­er inter­pretieren ihre Soloparts in per­fek­tem Zusam­men­spiel mit dem Orch­ester span­nungsvoll und mit hoher Klangkultur.
Das 1945 gegrün­dete Orch­ester, das heute den Namen Radio-Sin­fonieorch­ester Stuttgart des SWR trägt, gehört seit vie­len Jahren zu den renom­miertesten und besten deutschen Klangkör­pern. Es wurde geprägt von Chefdiri­gen­ten wie z.B. Sergiu Celi­bidache und Roger Nor­ring­ton, um nur zwei zu nen­nen. Das Ensem­ble bestritt viele Urauf­führun­gen und wurde durch seinen Ein­satz für Neue Musik eben­so berühmt wie für die Inter­pre­ta­tion von Musik älter­er Epochen.
Der Gast­diri­gent des Orch­esters bei den vor­liegen­den Auf­nah­men ist der 1939 geborene Schweiz­er Heinz Hol­liger, der ein­er der viel­seit­ig­sten und bedeu­tend­sten Musik­er unser­er Zeit ist. Die oben erwäh­n­ten sechs CDs mit Werken von Charles Koech­lin ent­standen eben­falls unter sein­er Ägide. Hol­liger wurde zunächst als Oboist berühmt, für den Kom­pon­is­ten wie z.B. Stock­hausen, Ligeti und Pen­derec­ki Stücke schrieben. Während sein­er bre­it angelegten Aus­bil­dung hat­te er u.a. auch Kom­po­si­tion bei Sán­dor Ver­ess und Pierre Boulez studiert. Er wurde selb­st ein gefragter Kom­pon­ist und ein eben­so berühmter Diri­gent, der beispiel­sweise bei den Luzern­er Fest­wochen auf­trat und mit Orch­estern wie dem Kam­merorch­ester Basel und dem WDR Rund­funko­rch­ester Köln konz­ertierte. Mit let­zterem Ensem­ble arbeit­et er gegen­wär­tig an ein­er Gesam­tauf­nahme der Orch­ester­w­erke von Robert Schu­mann, mit dessen Musik und Gedankengut er sich Zeit seines Lebens auseinan­derge­set­zt hat.
Mit der bei Hänssler erschiene­nen CD mit Werken von Debussy leg­en das Radio-Sin­fonieorch­ester Stuttgart unter Heinz Hol­liger, die Solis­ten Dirk Alt­mann und Daniel Gau­thi­er sowie die fabel­hafte Flötistin Tat­jana Ruh­land (Prélude à l’après-midi d’un faune) bewun­derungswürdi­ge Auf­nah­men vor. Hol­liger präsen­tiert eine ana­lytisch genau durch­dachte, feinsin­nige und far­ben­re­ich gestal­tete Hom­mage für einen der größten Kom­pon­is­ten des 20. Jahrhun­derts. Er ist ein Glücks­fall für die Debussy-Interpretation.
Peter Roggenkamp