Werke von Händel, Mozart, Mendelssohn und anderen

Orchestral Essence & Roots

Wiener Posaunenquartett

Rubrik: CDs
Verlag/Label: VMS Musical Treasures 234
erschienen in: das Orchester 01/2015 , Seite 79

Mit der neuen CD Orches­tral Essence & Roots legt das Wiener Posaunen­quar­tett seine nun­mehr fün­fte CD vor und macht schon mit den ersten Tak­ten Musik klar, dass hier ein Ensem­ble musiziert, welch­es sich nicht nur seit langer Zeit in- und auswendig ken­nt, son­dern auch größte Freude daran hat, Stücke bis ins kle­in­ste Detail hin auszuar­beit­en.
Die Werke auf Orches­tral Essence & Roots sind klug und ansprechend gewählt: Der Hör­er darf sich auf Auszüge aus Mozarts Requiem (Requiem aeter­nam und Kyrie), eine Auswahl von Tänzen aus Hän­dels Wasser­musik, den drit­ten Satz aus Brahms’ 3. Sin­fonie, den ersten Satz aus Dvoráks 8. Sin­fonie und ein Stück namens Alpen­fan­tasie (ein­er gekürzten Fas­sung von Richard Strauss’ Alpensin­fonie) freuen. Fern­er erklingt Mendelssohns Hebri­den-Ouvertüre, die ein solch großer Hör­genuss ist, so far­big vielfältig und musikalisch ansprechend gestal­tet, dass man ob der tech­nis­chen Vir­tu­osität von Otmar Gaiswin­kler, Wal­ter Voglmayr, Rein­hard Hof­bauer und Wolf­gang Pfis­ter­müller, alle­samt Posaunis­ten der Wiener Sym­phoniker, nur noch staunen kann.
Hän­dels Tänze aus der Wasser­musik sind auf die heute „ange­sagteste“ Art im barock­en Stil gestal­tet, und so kann man her­rlich sat­ten Posaunen­klang auf mod­er­nen Instru­menten in allen Lagen genießen. Lyrische Pas­sagen sowie Sprünge und Läufe in sämtlichen Lagen, die selb­st im Probe­spiel anderen Instru­menten einiges abver­lan­gen, erklin­gen hier von vier Posaunen so selb­stver­ständlich, dass man die große Erfahrung dieser vier Aus­nah­memusik­er mit jedem Ton spürt. Dabei fällt es schw­er, einen Leis­tungsträger und den Kün­stlern auszu­machen, denn vom tiefen bis ins hohe Reg­is­ter glänzt jed­er mit außergewöhn­lich sauber­er Into­na­tion, Stil­sicher­heit, Klang­far­ben­vielfalt und großer dynamis­ch­er Band­bre­ite.
Den sechs Hauptwerken dieser Orches­tral Essence & Roots ist jew­eils ein Volk­slied aus dem Umfeld des jew­eili­gen Kom­pon­is­ten vor­angestellt. So wird Requiem aeter­nam und Kyrie aus dem Mozart-Requiem beispiel­sweise von einem her­rlich schwungvollen, volk­stüm­lichen „Alt Wiener Tanz“ ein­geleit­et und vor der Strauss’schen Alpen­fan­tasie lauscht der Hör­er ein­er Weise aus Garmisch. Im Begleit­text (auf Deutsch, Englisch und Japanisch) wird zwar den Beratern für die Volksmusik-Ideen gedankt und man erfährt Wis­senswertes zur Inten­tion der Stück­auswahl, jedoch bleibt es bei lei­der eini­gen weni­gen Sätzen, wo es doch über das The­ma „Volksmusik – Kun­st­musik“ sich­er viel zu sagen gegeben hätte.
Aber wer mag angesichts des hier vor­liegen­den Hör­erleb­niss­es über­haupt noch den Begleit­text lesen? Die Musik, welche man ohne Frage als einen Kern der Orch­ester­lit­er­atur beze­ich­nen kann, spricht für sich und kann sich darüber freuen, von diesem hochkaräti­gen Kam­mer­musik-Ensem­ble auf CD aufgenom­men wor­den zu sein. Bra­vo, Wiener Posaunen­quar­tett!
Kristin Thiele­mann