Sarasate, Pablo de

Opera Phantasies

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Musikproduktion Dabringhaus und Grimm MDG 903 1819-6
erschienen in: das Orchester 05/2014 , Seite 79

Zu den Eige­narten von Pablo de Sarasates Opern­fan­tasien gehört es, dass der Zugriff auf Musiknum­mern bekan­nter Büh­nen­werke sel­ten von deren tat­säch­lich­er dra­matur­gis­ch­er Bedeu­tung bes­timmt ist, son­dern sich eher an ihrer musikalis­chen Wirkung und den an sie angelehn­ten Möglichkeit­en zur Verän­derung der vorgegebe­nen Tex­turen durch vio­lin­tech­nis­che Kun­st­griffe ori­en­tiert. Dass dies in Stück­en wie der Fan­tasie sur La Flute enchan­tée de W.A. Mozart op. 54 zu Ergeb­nis­sen führt, die mitunter völ­lig den ursprünglichen szenis­chen Vor­gaben wider­sprechen, mag den Opern­lieb­haber zwar irri­tieren, zeugt aber let­zten Endes von Sarasates Gespür bei der Anord­nung der aus­gewählten Werk­teile und ihrer Ein­bet­tung in einen Zusam­men­hang, der sich der Funk­tion ein­er schrit­tweise ver­stärk­ten Präsen­ta­tion spiel­tech­nis­ch­er Fer­tigkeit­en ide­al anzu­passen weiß.
Der Geiger Volk­er Rein­hold ver­sucht diesem Umstand gerecht zu wer­den, indem er sich sorgfältig abwä­gend zwis­chen der Beto­nung melodis­ch­er Qual­itäten und ein­er Her­ausar­beitung geigerisch­er Kun­st­stücke bewegt. Dass Let­ztere weniger stark her­vortreten, als man dies von anderen Auf­nah­men her gewohnt ist, macht die Ein­spielung sym­pa­thisch: In der Tat ver­sucht Rein­hold die einge­set­zten Effek­te in den Dienst klang­far­blich­er Vari­anten des melodis­chen Vor­trags zu stellen, doch ste­ht ihm dabei bisweilen seine eher kleine und gele­gentlich auch raue Tonge­bung im Weg.
Den­noch kann der Geiger mit manch dif­fizil­er Pas­sage aus den weniger häu­fig gespiel­ten Stück­en, etwa mit dem über weite Streck­en solis­tisch in poly­fo­nen Dop­pel­griff­tex­turen vor­ge­tra­ge­nen Ein­leitung­steil der Réminis­cence de Martha de F. de Flo­tow op. 19 punk­ten. Darüber hin­aus rückt die Auf­fas­sung der Stücke als Kam­mer­musik ins Zen­trum der Aufmerk­samkeit, was sich einem part­ner­schaftlichen Musizieren ver­dankt und für die nicht immer ide­ale Into­na­tion entschädigt. Auf die Qual­itäten Ralph Zedlers ver­weisen hier­bei nicht nur die knap­pen Vor- und Zwis­chen­spiele des Klaviers, son­dern auch die sorgfältig ange­bracht­en Anschlagsnu­an­cen, mit denen der Pianist vio­lin­is­tis­ch­er Far­bge­bung wie der Benutzung von Fla­geo­letts in der bekan­nten Fan­taisie sur Car­men de G. Bizet op. 25 eine zusät­zliche Nuance ver­lei­hen kann.
In solchen Details, Ergeb­nis eines genau aus­tari­erten kam­mer­musikalis­chen Musizierens, sowie im Ver­such bei­der Inter­pre­ten, sich immer wieder auch dem Ton­fall der zugrun­deliegen­den Opern anzunäh­ern, liegt das Plus dieser Plat­te gegenüber zahlre­ichen anderen, bril­lanter musizierten, aber den Pianis­ten auch zum bloßen Hin­ter­grund degradieren­den Auf­nah­men. Schließlich ist noch die gelun­gene Auswahl der Werke zu würdi­gen, da sie das gesamte Spek­trum von frühen Opern­fan­tasien wie jen­er über Verdis La forza del des­ti­no op. 1 (1864) bis hin zur späten Zauber­flöten-Fan­tasie aus dem Jahr 1907, Sarasates let­zter gedruck­ter Kom­po­si­tion über­haupt, umfasst.
Ste­fan Drees