Komische Oper Berlin (Hg.)

Oper Jung!

Musiktheater für Kinder zwischen Bühne und Bildung, 128 S., 19,95 Euro

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Seemann Henschel, Leipzig 2018
erschienen in: das Orchester 05/2019 , Seite 58

Auf mehr als 15 Jahre Beschäf­ti­gung mit kün­st­lerischen und päd­a­gogis­chen Fra­gen zum The­ma Oper und Konz­erte für Kinder und Jugendliche blickt die Komis­che Oper Berlin nun zurück. Mit diesem Buch liegt eine Bestand­sauf­nahme der Arbeit am Haus vor, die – unter­stützt von zahlre­ichen Farb­fo­tografien – Ein­blicke in die Arbeitsweisen gibt und gle­ichzeit­ig Ideen für Päd­a­gogen, Dra­matur­gen und Musik­the­ater­in­ter­essierte unter­bre­it­et.
Schon den sehr per­sön­lichen Vor­worten des desig­nierten Inten­dan­ten Andreas Homo­ki, der 2004 viele For­mate ins Leben rief, und von Bar­rie Kosky, der diese auf­nahm und weit­er­en­twick­elte, merkt man an, welch große Bedeu­tung das For­mat Junge Oper für die Komis­che Oper hat. Bestärkt wird dieser Ein­druck durch das gemein­same Vor­wort der Musik­the­ater­päd­a­gogen, des Chef­dra­matur­gen und des Ref­er­enten des Inten­dan­ten, die ­aktuelle Fra­gen aufw­er­fen und die Her­aus­forderung der Suche nach den richti­gen For­men und Meth­o­d­en aufzeigen.
Dieses Kon­tin­u­um zwis­chen Beschreiben und Reflek­tieren set­zt sich im ersten Kapi­tel „Kinderopern“ fort. Hier wer­den die 15 am Haus ent­stande­nen Opern für Kinder in Beset­zung, Hand­lung, Entste­hungskon­text und musikalis­ch­er Form beschrieben, es wer­den Beson­der­heit­en der Insze­nierun­gen aufge­grif­f­en und – mit Hil­fe von Press­es­tim­men – Wirkun­gen aufgezeigt. Abgeschlossen wer­den die Beschrei­bun­gen von einem per­sön­lichen State­ment ein­er jew­eils an der Pro­duk­tion beteiligten Per­son. Jedes Kapi­tel schließt mit ein­er the­ma­tisch passenden, wis­senschaftlichen Posi­tion, die all­ge­meine Fra­gen des Musik­the­aters für Kinder auf­greift. Im ersten Kapi­tel ist es Matthias Reb­stock, der zum The­ma „Kleine exper­i­mentelle For­mate und ihre Beson­der­heit­en“ befragt wird.
Das zweite Kapi­tel stellt die ver­schiede­nen For­mate von Kinderkonz­erten vor, die seit 25 Jahren
an der Komis­chen Oper stat­tfind­en. Exem­plar­isch für drei Phasen wer­den drei For­mate aus­führlich beschrieben. Anschließend find­et sich eine Auflis­tung aller Kinderkonz­erte und ein Inter­view mit Con­stanze Wim­mer und Ele­na Unge­heuer über die Ele­mente eines gelun­genen For­mats.
Das dritte Kapi­tel wid­met sich den Work­shop­for­mat­en der Komis­chen Oper für Fam­i­lien und Schulk­lassen und beschreibt anschaulich die hier ange­wandte Meth­ode der Szenis­chen Inter­pre­ta­tion. Abgeschlossen wird dieses Kapi­tel mit Über­legun­gen von Wolf­gang Mar­tin Stroh zum wech­sel­seit­i­gen Ver­hält­nis von Oper und Schule.
Das let­zte Kapi­tel stellt die seit 2005 durchge­führten par­tizipa­tiv­en, interkul­turellen Pro­jek­te dar und scheut nicht davor zurück, auf Schwierigkeit­en und Über­raschun­gen einzuge­hen und das The­ma mit Bet­ti­na Bran­dl-Risi auch kon­tro­vers zu betra­cht­en.
Im Gesamten gibt das Buch nicht nur einen Überblick über die musik­the­ater­päd­a­gogis­che Arbeit der Komis­chen Oper, son­dern macht diese tat­säch­lich zugänglich und ist zugle­ich ein Plä­doy­er für die Oper, die Kinder wie Erwach­sene begeis­tert.

Judith Philip­pa Franke