Steve Martland

One note fantasy…

Purcell elaborated and arranged for brass quintet, Partitur und Stimmen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott
erschienen in: das Orchester 02/2020 , Seite 64

Der 1954 in Liv­er­pool geborene und im Jahr 2013 ver­stor­bene Steve Mart­land war ein Kom­pon­ist, dessen Musik sich kaum einem einzi­gen, bes­timmten Stil zuord­nen lässt. Trotz großer Unter­schiedlichkeit sein­er Werke und stilis­tis­ch­er Vielfalt in sind diese aber stets sehr von ein­er ein­deuti­gen musikalis­chen Aus­sagekraft geprägt, die das Pub­likum zu berühren ver­ste­ht. Sein Schaf­fen umfasst Kam­mer­musik für Stre­ich­er, Holz- und Blech­bläs­er und Per­cus­sion, teil­weise in ungewöhn­lichen Beset­zun­gen, eben­so wie Werke für Singstimme und Chor bis hin zu Kom­po­si­tio­nen für großes Orch­ester, wie beispiel­sweise Babi Yar (1983).
Mehrere sein­er Stücke wur­den als Titel­musik von Radio- und Fernseh­pro­gram­men ver­wen­det. Musikpäd­a­gogisch trat Steve Mart­land inter­na­tion­al als Ini­tia­tor von Kom­po­si­tion­skursen und -pro­jek­ten für Kinder in Erschei­n­ung. Mit der von ihm gegrün­de­ten Steve Mart­land Band präsen­tierte er viele sein­er Kom­po­si­tio­nen einem bre­it­en Pub­likum im In- und Aus­land.
Als Inspi­ra­tion für die One note fan­ta­sy… diente Mart­land die Fan­ta­sia Upon One Note (Z 745) von Hen­ry Pur­cell aus dem Jahr 1680 für Vio­len­con­sort XXX. Mart­land hat die vierteilige Struk­tur von Pur­cells Kom­po­si­tion beibehal­ten und lässt das eingestrich­ene C wie einen Can­tus fir­mus durch alle fünf Stim­men der Par­ti­tur wan­dern, deren vari­ierende Har­monien und Modi stets hierzu passen.
Die jew­eili­gen Teile der Vor­lage Hen­ry Pur­cells wur­den von Steve Mart­land mit eige­nen Ideen ergänzt, sodass seine One note fan­ta­sy… etwa ein Drit­tel länger als das Orig­i­nal ist. In Mart­lands Fas­sung ist die barocke Klangvielfalt an eini­gen Stellen um außergewöhn­liche, aber tonal anmu­tende kom­pos­i­torische Ele­mente erweit­ert.
Die beige­fügten Stim­men (zwei Trompe­ten in C, Horn in F, Posaune und Tuba) sind mit vie­len Hin­weisen zur Dynamik und Artiku­la­tion verse­hen. Die bei­den Trompe­ten­stim­men wer­den hier­bei als Trum­pet Left und Trum­pet Right beze­ich­net und geben so Hin­weise auf die Platzierung der Aus­führen­den.
Im lei­der nur sehr kurzen Vor­wort zu diesem reizvollen Werk wird der Kom­pon­ist mit einem Beitrag aus der britis­chen Tageszeitung The Guardian zitiert: Mart­land erin­nert sich hierin nicht mehr an den Grund, weshalb er dieses Stück geschrieben hat, ver­mutet aber, es sei schlicht zu sein­er per­sön­lichen Freude gewe­sen.
Diese etwa fünf Minuten dauernde Fan­tasie dürfte nicht nur für Aus­führende sehr reizvoll sein. Durch die charak­ter­lich sehr unter­schiedlichen Teile entste­hen gle­icher­maßen Abwech­slung und Fasz­i­na­tion für die One note fan­ta­sy…, die eine höchst wirkungsvolle Bere­icherung im Reper­toire der Orig­i­nal­w­erke für Blech­bläserquin­tett darstellt.
Kristin Thiele­mann